Auf zu neuen Ufern (II) – Dr. Kris Kaufmann

Kevin Reißig sprach für „SachsensLinke!“ mit der Geografin und Dresdner Stadträtin Dr. Kris Kaufmann, die nun Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen der Landeshauptstadt Dresden ist.

Welche Gefühle beherrschen Dich gerade, wo doch Dein neuer Lebensabschnitt startet? Worauf freust Du Dich, was wirst Du möglicherweise vermissen?

Ich bin euphorisch und voller Tatendrang. Die unglaubliche Bandbreite der Aufgaben und Herausforderungen ist überwältigend. Dabei reizt mich am meisten, dass ich nun direkt gestalten, sprich Probleme unmittelbar anpacken kann. Manchmal vermisse ich die Zeit, in der ich nur einfache Akteurin war und beispielweise in Sitzungen problemlos eine SMS absenden konnte. Die Zeiten sind vorbei.

Was nimmst Du Dir vor, um im Rahmen Deiner Zuständigkeit gegen das aktuelle Chaos bei der Unterbringung und Betreuung geflüchteter Menschen ankämpfen zu können?

Alle meine KollegInnen sind Lernende. Wir geben unser Bestes, in einem ersten Schritt Menschen ein Dach über den Kopf zu geben. Strukturen der Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung, aber auch in und mit der Zivilgesellschaft funktionieren glücklicherweise immer besser. Das Denken in Prozessen, in Lösungsoptionen und wechselseitiges Vertrauen sind hier ganz wichtig. Gleichzeitig bin ich aber auch dabei, das Thema sozial-gesellschaftliche und berufliche Integration anzudenken, und dem Thema „Sozialer Wohnungsbau“ ein neues Gesicht zu geben.

Nicht zuletzt durch „Pegida“ hat der Ruf Dresdens nachhaltigen Schaden erlitten. Welchen Handlungsauftrag leitest Du für Dich aus dieser Tatsache ab?

Wie geht man mit Menschen um, die in einer Art Röhrenlogik denken und außer mit wilden Parolen und Schimpftirade auch nach einem Jahr nicht genau sagen können, was ihr legaler Lösungsansatz ist – mal abgesehen von „Wir sind das Volk“, „Die anderen sind schuld“ und „Ausländer raus“? Mein Handlungsansatz ist ziemlich schlicht: Handeln, und damit auch indirekt den Gegenbeweis zu vielen Behauptungen erbringen. Natürlich ist eine soziale Integration von heute noch Fremden machbar – es gibt tausend gute Beispiele. Natürlich kann sozialer Ungleichheit begegnet werden. Natürlich habe ich vor, sozialen Mietwohnraum zu schaffen. Und natürlich gibt es nicht überall eitel Sonnenschein. Mein Ziel ist damit auch der kollektive Beweis, dass Dresden viel sozialer ist und sein kann als sein aktueller Ruf.

Was willst Du am Ende Deiner Amtszeit auf jeden Fall erreicht haben? Und wie willst Du diese Ziele verfolgen?

Ich will an einer Stadt Dresden mitwirken, die nicht zu allererst stolz ist auf ihre Vergangenheit und die wiederrichteten Gebäude des Absolutismus, sondern auf ihre Stärke, die durch Vielfalt, Kreativität und Offenheit geprägt ist. Das hießt Strukturen und Netzwerke der Unterstützung und Selbsthilfe stärken, präventive und integrative Angebote zum nachhaltigen Gegensteuern von Fehlentwicklungen erarbeiten. In sieben Jahren haben wir zwei starke kommunale Krankenhäuser und den öffentlichen Gesundheitssektor gestärkt, verfügen wieder über sozialen Wohnungsbau, über viele fröhliche und gut betreute Babys, Kinder und Jugendliche samt ihren Eltern und Großeltern. Haben generationen- und kulturenübergreifende Begegnungsmöglichkeiten in allen Quartieren und denken anders über das Altern und sogenannte Behinderungen nach als heute. Auch wenn ich diese Ziele zwar allein definieren kann, werde ich sie definitiv nicht allein erreichen. Selbst der kleinste Erfolg ist teilbar. Selbst das größte Problem ist lösbar.

Was erwartest Du in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und dem Oberbürgermeister?

Mit dem Stadtrat erwarte ich mir eine konstruktiv-kritische und lösungsorientierte Zusammenarbeit, vom Oberbürgermeister eine überparteiliche Amtsführung, die sich durch Transparenz und Weitsicht auszeichnet.