Das muss einmal gesagt werden

von Michael-A. Lauter

Ich wollte auf dem Parteitag in Neukieritzsch sprechen. Als ich hätte reden können, war der Leitantrag bereits beschlossen. Ich war eben weit hinten eingeordnet. Pech gehabt. Kann sein, dass ich mich irre, aber ich hatte den Eindruck, als wären in der Reihenfolge der RednerInnen jene bevorzugt, die in irgendeiner Weise deutlich machten, ihr Beitrag sei ganz besonders wichtig. Wichtig, weil sie für ein Amt kandidieren, wichtig weil sie Abgeordnete seien, wichtig, weil wichtig.

Im beschlossenen Leitantrag nimmt die politische Arbeit zu Recht einen breiten Raum ein. Dennoch scheinen mir die Aussagen zum Verhältnis von Stadt und ländlichem Raum einseitig. Ich bin überzeugt, dass wir die Probleme in den ländlichen Räumen ohne die Städte nicht lösen können.

Die Parteistrukturen in den großen Städten haben meines Erachtens eine große spezifische Verantwortung für die im ländlichen Raum: Sie müssen einerseits mit ihren Ressourcen die ländlichen Räume unterstützen und anderseits eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe entwickeln. Dazu bedarf es gegenseitiger Achtung und Solidarität. Dazu brauchen wir eine neue Kultur des Umgangs, frei von jeder Überheblichkeit. Dazu müssen Arbeitsstrukturen geschaffen werden, und zwar so schnell wie möglich, damit die Genossen über Kreis- und Stadtgrenzen hinaus auch gemeinsam agieren können. Das alles muss gelernt werden. Aber lernen können wir nur, indem wir damit praktisch beginnen: Unverzüglich.

Deshalb ist es richtig, auf die Veränderungen der Mitgliederstrukturen zu reagieren. Dazu einige Anregungen: A) Strukturell deutet alles darauf hin, dass wir zu einer stärkeren Konzentration und Zentralisierung kommen müssen. Dabei dürfen wir unter keinen Umständen die Arbeit an der Basis und ihre Einbeziehung in die Vorbereitungs- und Entscheidungsprozesse vernachlässigen. Sondern es wird neue Formen dafür geben müssen. B) Wir kommen nicht umhin, Teams für die verschiedensten Aktionen und Aktivitäten zu bilden, über die bisherigen Organisationsgrenzen hinweg. C) Wir müssen die Ressourcen bündeln. Sowohl die materiellen als auch die personellen. Dabei geht es um die Ressourcen der Hauptamtlichkeit und die Ressourcen und das Engagement der Ehrenamtler. Nur beides wird uns Effekte bringen. Eine solche Bündelung verlangt andere zeitliche Anforderungen für ihr Zustandekommen. Ehrenamtlich Arbeitende können vielfach nicht so schnell reagieren wie hauptberufliche Parteitätige. Und sie sind nicht nur die Vasallen oder Soldaten, also die Ausführenden der Funktionsträger. D) Wir brauchen eine noch deutlichere Schwerpunktbildung in der politischen Arbeit und vor allem eine Priorisierung. Wir sind doch nicht in der Lage, in allen Themen die Meinungsführerschaft zu erringen. Es sei denn, wir denken, dass zu jedem Thema die Presseerklärung oder Broschüre eines führenden Genossen reicht.
Darüber hinaus brauchen wir eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Gremien und den Zusammenschlüssen, aber auch der Zusammenschlüsse untereinander.

Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, den sozialökologischen Umbau der Gesellschaft voranzubringen. Das geht nur mit dem berühmten Dreiklang: Soziales, Ökologisches und Wirtschaftliches. Aber ADELE allein kann dieses gesamte Dreieck in seiner Tätigkeit nicht abbilden. Deshalb müssen die verschiedenen Ecken zusammengeführt werden, also ADELE, B&G, AG Wirtschaft oder OWUS, Grundeinkommen usw. Den dafür notwendigen Aufwand können jedoch die Zusammenschlüsse allein nicht stemmen. Hier muss der Landesvorstand wirksam werden.