Warum viele Flüchtlinge nirgendwo sicher sind und blindes Helfertum mehr schadet als nutzt

von Pieter Potgieter

Es scheint bei uns üblich geworden zu sein, erst zu handeln und dann zu denken – falls man zu letzterem überhaupt noch kommt. Inzwischen weiß man, dass es ein Gerücht war, dass die Syrer in Ungarn in Züge trieb: Deutschland wird keine Syrer zurück schicken lautet eine publik gewordenen Richtlinie des Bundesamtes für Migration. Wer auf die Idee gekommen ist sämtliche Rechtsgrundlagen außer Kraft zu setzen und somit Flüchtlingswellen in Bewegung zu setzen, egal ob in Jordanien oder der Türkei wird bis jetzt noch nicht einmal ermittelt. Weil wir zu tun haben in Sachen „Willkommenskultur“ und fest daran glauben, wer es hierher geschafft hat – ins sichere Europa – und in das sicherste Land dieses Europas überhaupt,der wird zu sich kommen können und wieder genesen, so wie auch die Iraker, Afghanen und Eriträer. Am Ende wird unsere Volkswirtschaft ganz großartig profitieren und um die Demographie müssen wir uns auch keine Gedanken mehr machen.

Das sieht man außerhalb Deutschlands alles ein wenig anders. Beispiel Israel: Tausende Flüchtlinge leben dort seit vielen Jahren, viele auch aus Eritrea. Wie in Israel üblich, dürfen die Flüchtlinge nicht arbeiten und haben keinerlei Gesundheitsschutz. Aber sie haben ein Smartphone. Tatsächlich ist es so, dass in vielen Ländern (so in allen oben genannten) auch gefoltert wird. In diesen Ländern haben die Folterer Dank der gespeicherten Nummern in den Smartphones und Handys ihrer Opfer ständigen Zugriff auf die Telefone der Verwandten. In Eritrea ist es beispielsweise Usus während der Folterungen – wenn Schwester, Bruder, Vater oder Mutter besonders laut schreien – einen Angehörigen in einem der vermeintlich „sicheren“ Länder anzurufen. Also zum Beispiel auch in Israel – es spricht aber auch nichts gegen Anrufe in Europa. Während der Folterungen „dürfen“ die Folteropfer gleich selbst die Summe nennen, die dazu führt ihre Schmerzen ein wenig zu lindern. Egal ob die Angehörigen nun legal oder schwarz arbeiten, sie werden dazu angehalten mehrere tausend Euro oder Dollar nach Eritrea zu überweisen.

Das Ergebnis: Die Angehörigen in vermeintlich „sicheren“ Ländern können durch Anrufe unter einen permanenten psychischen Druck gesetzt werden, der sie erst psychisch und dann physisch zerstört. Während dessen aber fließen Geldströme in die betroffenen Ländern und kommen denen zugute, die Verbrechen begehen.

Die Grundidee, wir „retten“ die Flüchtlinge in dem wir sie nun gleich alle bei uns aufnehmen mag einer edlen Gemütsregung entsprechen, doch ist es hochgradig naiv zu glauben, damit irgend welche Probleme zu lösen. Die Probleme Syriens, des Iraks, Libyens oder die von Afghanistan oder Eritreas können nur vor Ort gelöst werden. „Gäste“ bekommen übrigens in aller Regel keine Arbeitserlaubnis. Auf der ganzen Welt nicht. Jeder Korrespondent oder Spezialist, der jemals im Ausland (also außerhalb der EU!) gearbeitet hat weiß: Die Berechtigung im Ausland zu arbeiten erstreckt sich nicht auf Familienangehörige, weshalb der erste Gang von langjährigen Auslandskorrespondenten nach dem Einsatz oft der zum Scheidungsrichter ist: Nicht jede Ehefrau hatte in der Häkelrunde oder im Kirchenkreis der Expat-Siedlungen ihre Erfüllung gefunden … Wer gleichzeitig von „Willkommenskultur“ für die Gäste und Arbeitserlaubnis, Sprachkurs, kostenlosen Gesundheitsschutz und Einschulung für sie spricht, verwechselt Gäste mit Einwanderern. Zahlreiche Menschen fühlen sich heute als Flüchtlingshelfer berufen, die sich ihr ganzes Leben nie mit dem Leben und der Politik in Syrien, Afghanistan, dem Irak oder selbst in der Türkei befasst haben. Wer sich auf die Seite „der syrischen Flüchtlinge“ schlägt sollte aber schon genau wissen, auf wessen Seite er da eigentlich steht: Auf der von IS, der gewählten syrischen Regierung, Al Nusra, der kurdischen Separatisten, der von London und den USA aufgebauten Opposition … Natürlich sind alle Ankommenden aus Syrien vollkommen unpolitisch, haben garantiert niemanden ermordet, sind die Gutmenschen schlechthin. Blindes Helfertum kann dazu beitragen, die Flüchtlingskrise zu verschärfen und die innere Sicherheit auszuhöhlen. Es ist durchaus legitim erfahren zu wollen, wem überhaupt aus welchem Grund geholfen werden soll. Das hat bis jetzt noch kein Innenministerium und keine Landesregierung in der EU beantwortet. Es wird gehandelt ohne zuvor gedacht zu haben. Das war schon nach 45 so – zahlreiche hochrangige Kriegsverbrecher konnten sich in den Flüchtlingstrecks verstecken und viele lebten unter neuer Identität (die Pässe hatte man auch damals schon verloren) und von der Justiz unbelangt weiter. Im Unterschied zu damals existiert heute (theoretisch???) ein funktionierender und handlungsfähiger Staat, nur merkt man davon derzeit so wenig …