Fundamentalistischer „Marsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz gestört

von Josefine Michalke

Am 1. Juni – passend zum Weltkindertag – hatten die Christdemokraten für das Leben (CDL) einen „Marsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz geplant. Diese Märsche führen sie jedes Jahr in Münster, Berlin und Annaberg mit mehreren tausend Menschen durch. Und jedes Jahr tragen sie dabei ihre fundamentalistischen, fortschrittsfeindlichen und sexistischen Positionen auf die Straße – vom Abtreibungsverbot über die Verteufelung von nicht-heterosexuellen Lebensweisen bis hin zu Erzählungen von „Euthanasie-Ärzten“ oder der „internationalen Homo-Lobby“.
Im letzten Jahr gab es erstmalig Proteste gegen den ca. 500 Menschen starken Marsch, wobei 30 Aktivist*innen relativ brutal von der Polizei daran gehindert wurden. Dieses Jahr hatten sich erstmals mehrere Gruppen überregional zusammengefunden, um sachsenweit zu mobilisieren und die Fundamentalist*innen nicht unbemerkt laufen zu lassen. Es kamen drei Busse aus Leipzig und Dresden sowie mehrere Autos, so dass ca. 300 Menschen auf der Gegendemo laut und bunt durch Annaberg zogen. Die Polizei war relativ kooperativ und ermöglichte an zwei Stellen sogar Protest in Sicht- und Hörweite, vor allem der CDL-Abschlusskundgebung konnte lautstark etwas entgegen gesetzt werden. Die linksjugend [‘solid] war in die Vorbereitungen und in die Mobilisierung involviert sowie mit eigenem Transparent und Schildern vor Ort dabei. Ein relativ umfangreicher und differenzierter Bericht lief in den MDR-Abendnachrichten und auch im Internet war die Resonanz der Proteste groß. Obwohl der Marsch laufen konnte, war der Protest durch seine Außenwahrnehmung und das politische Contra sehr erfolgreich – vor allem, weil es der erste größere Protest seit Bestehen des Marsches in Annaberg war. Wir nehmen das zum Anlass, im nächsten Jahr wieder und noch stärker zu mobilisieren, damit Fundamentalist*innen nicht unbemerkt und unwidersprochen marschieren können. Wir kommen wieder nach Annaberg-Buchholz! Fundi-Märsche zum Desaster machen!