Das kleinere Übel

Von Stathis Soudias

Alles was Recht ist, die Wahrheit muss gesagt werden: Diese Partei mutet einem so manches Mal zu viel zu. Jawohl, ich spreche von der Wahl, namentlich der Oberbürgermeisterwahl in Dresden.

Da hing der Innenminister an Säulen, Masten, Bäumen, wenn auch nur als Plakat und, versprach mir 5.000 Wohnungen. Dass seine Parteikollegin davor 40.000 Wohnungen verkauft hatte, das verschwieg er! Versprach, dass „Dresden gewinnt“, vergaß aber, mir die Lottozahlen der nächsten Ziehung zu sagen. Ekelhaft. Was er mir noch immer nicht gesagt hat, ist, warum er mich nicht mag! Obwohl, er ist nicht der erste CDU-ler, der keine Ausländer mag. Geschenkt. Da hing also eine Menge Volk an Plakaten und grinste mich an. Widerlich. Ich kenne niemanden. Und listig sind sie! Ein gewisser Lars, genannt Lara, zeigte mir seinen Busen, und ein Hilbert machte mich an, vermutlich weil ich ein „nützlicher“ Ausländer bin. Nur solche will er haben. FDP halt!

Aber ich komme vom Thema ab. Da bin ich also früh am Sonntag in der Wahlkabine, halte den Wahlschein in den Händen und bin regelrecht verzweifelt. Der Stadtvorstand hat – in seiner unermesslichen Weisheit – gesagt, wir sollen die SPD-Frau wählen. Eine gemeinsame Kandidatin. Klingt nicht schlecht, „rot-rot-grün“-Projekt. Auch wenn die Erfahrung mit dem Ex, dem FDP-Mann Roßberg gezeigt hat, dass sie nur das Geld und die Stimmen wollen, den Rest machen sie ohne uns. Den Sozialdemokraten traue ich nicht über den Weg, die Grünen hassen uns, was im Übrigen der Hauptgrund ist, warum wir sie öfter als Frau Doktor im Bildschirm sehen, und, eine Alternative haben wir sieben Jahre lang nicht zustande gebracht. Strategisches Denken halt! Bin wieder vom Thema abgekommen. Da stehe ich also, den Stift in die Hand, und bin echt unentschlossen. Ich überlege, was nun das kleinere Übel ist: ein unfähiger Innenminister in Sachsen oder ein unfähiger OB in Dresden? Noch heute quält mich diese Frage. Habe ich richtig gewählt? Ach, diese meine Partei; sie mutet mir zu viel zu!