Für ein weltoffenes Königstein

von Anja Oehm

Mario Bauch (parteilos) kandidiert als Bürgermeister in der Festungsstadt

Der Ratssaal ist voller aufmerksamer Zuhörer. Gebannt lauschen sie dem jungen Mann, der sachkundig und in außergewöhnlicher Sprachkultur erläutert, wie man Heimatgeschichte in einer Chronik verewigt. Noch Tage später schwärmen die Chronisten vom Referenten: Mario Bauch aus Königstein.

Die Geschichte, so sagt er, war schon immer seine große Leidenschaft. Die Kindheit auf der Festung Königstein habe ihn geprägt. Nicht zufällig wählte er für seine Diplomarbeit als Vermessungsingenieur ein Geschichtsthema – und erhielt prompt dafür den Erathosthenes-Preis. Er wollte nie weg. Heute ist der 39-Jährige pädagogischer Museumsmitarbeiter in Dresden. In Rosenthal-Bielatal gründete er den Heimatverein Ländliches Leben im BielaTal e.V. mit und publiziert immer wieder zeitkrische Reflexionen zu heimatgeschichtlichen Themen.

Wie kommt so einer dazu, für DIE LINKE als Bürgermeister zu kandidieren? Der Blick über den Tellerrand hinaus habe für ihn stets dazugehört, sagt er. Und dann zog so ein junger Linker, der Luxemburger Sascha Wagener, auf die Festung. Die beiden Gleichaltrigen wurden enge Freunde. „Sascha hat mich inspiriert und geprägt“, schildert Mario Bauch seinen Weg in die Politik. 2009 hatten sie sich geschworen, gemeinsam in den Königsteiner Stadtrat einzuziehen. Es kam alles anders … Der frühe Tod seines charismatischen Freundes verursacht Mario noch heute betäubenden Schmerz. Die Verbundenheit zur Familie von Sascha ist geblieben und Mario immer wieder ein gern gesehener Gast in Luxemburg.

Mario Bauch zog als Parteiloser für DIE LINKE in den Königsteiner Stadtrat ein. An der Stadt klebt ein braunes Image, obwohl hier viel passiert gegen rechts. Freilich – links neben Mario Bauch im Stadtrat sitzt ausgerechnet NPD-Frau Carmen Steglich. Bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen hat Königstein Vorbildliches geleistet. Das ist Weltoffenheit, wie sie sich auch Mario Bauch vorstellt. Er kommt ins Schwärmen, wenn er von der unverwechselbaren Landschaft erzählt, verhehlt aber gleichzeitig nicht, wie schwierig die Situation ist. Eingezwängt in Täler, wie in ein Korsett, könne man praktisch nichts Neues hinzu planen, geschweige denn bauen. „Eigentlich müssten wir mit unserer guten Lage ,Zentrum‘ sein. Aber die Finanzkraft der einmaligen Festung Königstein geht z. B. an unserer Stadt vorbei.“ Und dann das Hochwasser: 2002 stand die Elbe bis 50 cm unter den Bahngleisen. 2010 wieder enorme Schäden durch das zum reißenden Strom gewordene „Bächlein“ Potatschke. Die alten Schäden waren noch nicht beseitigt, als 2013 das nächste Hochwasser kam. Die Häuser schwer in Mitleidenschaft gezogen, Gewerbetreibende entnervt, die Bevölkerung traumatisiert … Ob man hier überhaupt noch leben kann? Königstein – ein schwieriges Pflaster.

Den heutigen Rat frustriert das Warten auf Fördermittelbestätigungen. „Es sollte nachhaltig gebaut werden – wird es aber nicht“, sieht Stadtrat Mario Bauch als großes Problem an. Seit der letzten Wahl bildet er mit den Freien Wählern eine Fraktion und erfährt Ermutigung für seine Kandidatur. Fragt man ihn, was er anders machen würde, dann nennt er die Stärkung von Gemeinsinn. Nicht jeder gegen jeden und sich gegenseitig blockieren, sondern gemeinsam etwas erreichen. Als Bürgermeister möchte er mehr Moderator sein. Offen für Neues. Er würde verstärkt persönliche Gespräche mit Einwohnern, Unternehmern und Hauseigentümern suchen, für mehr Sauberkeit im Ort sorgen und das Tourismuskonzept auf breitere Beine stellen wollen. Und dann ist da das Gewerbegelände der ehemaligen WISMUT zu beleben…

Eine persönliche Freundschaft verbindet Mario Bauch mit dem Bürgermeisterkandidaten für Rosenthal-Bielatal, Thomas Winkler. Der rege geistige Austausch tue ihm gut. Am 2. Mai führte Mario Bauch Landeschef Rico Gebhardt, Thomas Winkler und Mitstreiter als Wanderleiter durch das Bielatal. Es wird nicht leicht für ihn, weil wohl mindestens fünf Kandidaten um das Königsteiner Bürgermeisteramt streiten. Mario Bauch ist ein würdiger Kandidat. Wir LINKEN danken ihm und drücken ihm fest die Daumen.