Die Angst ist greifbar

von Rico Gebhardt

Bürgerinnen und Bürger greifen unter anfeuerndem Gejohle und mit Parolen wie „Deutschland den Deutschen“, „Ausländer raus“ oder „Räumen, räumen“ Geflüchtete an. Nein, ich schreibe nicht von Rostock-Lichtenhagen oder von Hoyerswerda Anfang der 90er. Wir alle haben diese Bilder noch im Kopf. Ich schreibe von Dresden. Im Jahr 2015. Die Bilder ähneln sich erschreckend.
Am 2. März geschah genau ein solcher Übergriff auf das Camp von Geflüchteten auf dem Theaterplatz in Dresden. Schon den ganzen Tag über hatte es rassistische Beschimpfungen, Drohungen und unverhohlenen Hass gegen die Geflüchteten und ihre Unterstützerinnen gegeben. Im Anschluss an die PEGIDA-Demonstration kam es dann zu diesen Szenen. Nur den vielen engagierten Menschen vor Ort und dem Eingreifen der Polizei ist es zu verdanken, dass Dresden heute nicht in einer Reihe mit Rostock und Hoyerswerda genannt werden muss.
Und am nächsten Tag? Da diskutiert die Landespolitik, ob der Versammlung nun Zelte zustehen oder nicht, um ihren Protest ausdrücken zu können. Ich sage offen: Ich schäme mich dafür nicht nur heimlich. Wir haben in Sachsen mittlerweile eine aggressive, fremdenfeindliche Stimmung in Teilen der Bevölkerung. Die Landespolitik nimmt die Sorgen und Nöte dieser Menschen immer noch ernster als die derjenigen, die von dieser Stimmung bedroht werden. Menschenfeindlichkeit wird manifest. Genau deshalb ist es unsere Aufgabe als sozialistische Partei, uns vor diejenigen zu stellen, die um ihr Wohl und Leben fürchten müssen. Die Angst ist greifbar. Wir müssen Menschen schützen. Gemeinsam gegen Nazis!