Forschungsstandort Dresden

Von Uwe Schaarschmidt

25 Jahre Zeit hatten die christlichen Großkirchen in Dresden, um die Stadt zu christianisieren. Enorme finanzielle Mittel, Medien und sogar eine durchregierende, sich christlich nennende Staatspartei standen ihnen dafür zur Verfügung. Das hat bislang keinen Erfolg gehabt: Die Kirchenaustritte steigen auch hier, 70 % der Bevölkerung sind schlicht Ungläubige geblieben.
Daran wird deutlich, wie durchgeknallt die Behauptung ist, mit ein paar tausend Flüchtlingen, arm wie die Kirchmäuse – viele davon selbst verfolgte Christen – drohe eine „Islamisierung des Abendlandes“.

Dass es dennoch wiederum gerade Dresden ist, in dem eine solche, absurde Behauptung tausendfachen Zuspruch findet, lässt den Betrachter fast ratlos am Rande stehen. Was ist nur los mit dieser Stadt, dass sich noch der abenteuerlichste Unfug in Massen unter die Leute bringen lässt? Zwar haben Politik und Medien seit Jahren mit ihrem dummen Gequatsche von der Leitkultur und einem beispiellosen Islam-Bashing ganze Vorarbeit dazu geleistet, dass bei Thilo Sarrazins Leserschaft nun auch noch die letzte Schraube locker wurde – aber der hat sein dümmliche Schwarte ja nun bundesweit 1,5 Millionen Mal verkauft. Warum also Dresden?

Ich habe da meine ganz eigene Meinung, tief aus meinem Bauch heraus, als 1985 Zugezogener. Aber die hat in einer politischen Debatte nichts zu suchen. Herauszufinden, warum gerade die Dresdner offensichtlich für jeden Schwachsinn zu begeistern sind, wäre eine Forschungsaufgabe für ein interdisziplinäres Team aus Soziologen und Psychologen. Ich habe zwar den Verdacht, sie kämen dabei zu keinem anderen Ergebnis, als jenem, das mein Bauch mir sagt. Aber auf mich hört ja keiner. Deshalb sollten die größten Kapazitäten umgehend die Arbeit aufnehmen.