Wider die deutsche Zukunft

von Silvio Lang

Am 07. Juni war Dresden zum wiederholten Male in diesem Jahr Zentrum des antifaschistischen Widerstandes in der Auseinandersetzung mit braunem Ungeist. Unter dem Label „Tag der deutschen Zukunft“ wollten, nach Anmeldung durch den vom Februar hinlänglich bekannten NPD- und Freie Kameradschaftsmann Maik Müller, Nazis marschieren. Die geplante „Marschroute“ sollte vom S-Bahnhaltepunkt Pieschen durch die von vielen jungen Familien bewohnten Stadtteile Pieschen und Mickten Richtung Goldener Reiter führen. Gerade die Abschlussszenerie wäre also besonders symbolträchtig gewesen, und so nutzten die Nazis schon bei der Mobilisierung im Netz den goldenen August hoch zu Ross als Motiv. Der Veranstalter selbst rechnete laut Anmeldung bei der städtischen Versammlungsbehörde mit ca. 800 Teilnehmer_innen.
Dass es am Ende anders kam, liegt an mehreren Faktoren. Zunächst gab es in den Tagen unmittelbar vor dem 07. Juni eine für die sächsische Medienlandschaft selten kritisch und gut recherchierte Berichterstattung über das, was die Dresdner_innen dort erwarten durften. Selbst der Haus- und Hofsender der sächsischen Staatsregierung, der MDR, berichtete mit einem guten Beitrag im Sachsenspiegel. Es ist daher vorstellbar, dass einiges Potenzial der Naziszene sich auch deswegen kurzfristig gegen die Anreise entschieden hat, weil die Berichterstattung bereits heftigen Widerstand suggerierte. So standen dann am Pfingstsamstag selbst nur knapp 450 Nazis, überwiegend aus Norddeutschland angereist, grob geschätzt 2.000 Gegendemonstrant_innen und ebenso vielen Polizist_innen gegenüber. Die Taktik der staatlichen Organe sah eine klare Trennung von Nazis und Gegendemonstrant_innen und die Vermeidung jeglicher Konfrontationen vor. Im Bewusstsein dieser Ausgangslage erschien es aus der Sicht des „Forum gegen Rechts“, das die Gegenproteste initiiert hatte, folgerichtig, die beiden Hauptmarschrouten über die Leipziger Straße und die Großenhainer Straße zu blockieren. Der Versuch einer Vollblockade direkt am Auftaktort wäre angesichts der Polizeistärke und der mit 2.000 Menschen immer noch viel zu geringen Zahl an Gegendemonstrant_innen nicht zielführend gewesen. Da die Blockaden frühzeitig etabliert wurden, war es möglich, einen Marsch der Nazis Richtung Innenstadt, womöglich vorbei an so symbolträchtigen Orten wie Asylsuchendeneinrichtungen oder unserem Haus der Begegnung, zu verhindern. Im Gegenteil, es ging für die Nazis keinen Meter weiter Richtung Zentrum, stattdessen mussten sie sich mit einem kurzen Fußmarsch zum nächsten stadtauswärts gelegenen S-Bahnhaltepunkt in Trachau begnügen. Anders als vielerorts zu lesen war dies zwar nicht ein Marsch durch unbewohntes Industriegebiet und quasi der Marsch der Nazis aus der Stadt – es handelte sich so aber um eine deutlich weniger attraktive Route. Die Symbolik also war eindeutig, und so titelte publikative.org auch zu Recht von der „Deutschen Zukunft auf dem Abstellgleis“.
Im Fazit hat unsere Partei, und dies sollte bei allen Gemeinsamkeiten mit anderen politischen Kräften im antifaschistischen Widerstand auch zu betonen erlaubt sein, eine gute und wichtige Rolle bei den Gegenprotesten gespielt. Es gab im Vorfeld nicht nur personelle und finanzielle Unterstützung, sondern auch am Tag selbst die Bereitschaft einiger unserer Landtagsabgeordneten, als Anmelder_innen zur Verfügung zu stehen, und die Bereitstellung von Infrastuktur wie Lautis und deren Crews. Nicht zuletzt reiste sogar aus dem Pfingstcamp der linksjugend [’solid] Sachsen, finanziert durch Stadt- und Landesverband der Jugend, eine Busbesatzung voll Antifaschist_innen direkt aus Doksy nach Dresden und am selben Tag zurück. In Dresden konnte so, soviel ist zumindest schon jetzt sicher, verhindert werden, dass sich neben dem alljährlichen Aufmarschversuchen im Februar ein weiteres Großevent der Naziszene etablieren kann. Auch wenn es weiterhin wünschenswert wäre, dass sich aus der Stadt mehr Menschen an solchen Widerstandsaktionen beteiligen, ist zumindest dies als Erfolg zu sehen.