Über 2014 hinaus denken – der 13. Februar in Dresden

„Alle Jahre wieder“ ist man versucht zu sagen, wenn der 13. Februar in Dresden ansteht. Und lange schien dieser Satz auch eine gewisse Gültigkeit zu haben. Nun aber hat sich die Lage geändert und 2014 könnte zu einem entscheidenden Jahr werden. Eines ist bereits erreicht: Die Nazis versuchen gar nicht erst, zu marschieren, der Trauermarsch ist umgemeldet zu einer Kundgebung. Und der Anmeldeort ist eine reine Provokation: Neumarkt, direkt an der Frauenkirche. Nun werden Gerichte bemüht werden, weil dieser Ort durch das aktuelle Versammlungsrecht besonders geschützt ist. Aus Perspektive von Dresden Nazifrei zählt dabei nur, dass wir sie blockieren – egal, ob bei Marsch oder Kundgebung.
Doch wie wird es dann nach 2014 weitergehen? Wie sich der 13. Februar in Dresden weiter entwickelt, hängt nun noch entscheidender davon ab, wie sich 2014 die Lage darstellt. Die Schlussfolgerung also, jetzt den Weg nach Dresden für unnötig zu halten, wäre grundfalsch. Wenn man in den nächsten Jahren nicht weiter jedes Jahr im Februar herkommen will, müsste man sich in diesem Jahr gerade nochmal aufraffen. Damit am Ende für die Nazis die Frage steht, warum sie überhaupt noch im Februar in Dresden auflaufen sollen, wenn sie hier nicht mal mehr eine Kundgebung realisiert bekommen. Einzig die Tatsache, dass wir 2015 vor dem 70. Jahrestag stehen, spricht bislang noch dagegen, sich jetzt schon festzulegen.
Es hängt also von uns ab! Setzen wir 2014 wieder ein deutliches Signal, blockieren wir wieder mit tausenden Menschen die Nazis in Dresden, ist auch der Druck auf die Stadtverwaltung, sich endlich noch mehr für unser Anliegen zu öffnen, nicht mehr zu ignorieren. Schon jetzt musste sich OB Orosz (CDU) zumindest insoweit bewegen, dass sie ihre sture Verweigerungshaltung zu Gesprächen mit dem Bündnis nicht mehr halten konnte.
2014 kann für Dresden eine langfristige Entscheidung bringen – kann! Es hängt an uns.
Das gilt nicht nur für Dresden. Die Zeit der pathetisch inszenierten Großaufmärsche ist zwar vorbei. Das ändert aber nichts daran, dass Aufmärsche eines der wichtigsten Ausdrucksmittel der extremen Rechten bleiben. Gerade weil das im großen Maßstab in Dresden immer schlechter funktioniert, darf nicht vergessen werden, dass es an anderen Tagen und in anderen Orten anders aussieht: Neben dem 13. Februar in Dresden gibt es jedes Jahr Naziaufmärsche zum 5. März in Chemnitz und Mitte April in Plauen, gestrickt nach dem Dresden-Muster: Auch hier wird die Bombardierung jener Städte im Zweiten Weltkrieg zum Anlass eines geschichtsrevisionistischen „Gedenkens“ genommen, das vergessen machen soll, wer den Zweiten Weltkrieg entfesselt hat.
Wenn es darum geht, die historische Schuld auf die Anti-Hitler-Koalition zu schieben, leiden Nazis unter einem Wiederholungszwang: Erst die Fälschung der Geschichte – sozusagen ein Schuldenschnitt in eigener Sache – ermöglicht es ihnen, sich auf den historischen Nationalsozialismus zu berufen. Dass die Versuche außerhalb Dresdens bislang ein paar Nummern kleiner ausfallen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die politische Absicht hinter diesen Terminen genauso monströs ist. Was den Widerstand dagegen anbetrifft, so bleibt noch Luft nach oben. Diese Lücke muss gefüllt werden, und ein Anlass, darüber nachzudenken, ist Dresden am 13. Februar. Je weniger den Nazis dort gelingt, desto attraktiver werden für sie die sächsischen Ersatztermine. Antifaschistisches Engagement bleibt dagegen unersetzlich.