Das Interview

David Rausch ist 30 Jahre alt und als Stadtrat in Geringswalde aktiver Kommunalpolitiker. Wir haben mit David über positive und negative Erlebnisse gesprochen, die ein junger Mensch in der Kommunalpolitik hat.

Hallo David, Du bist jetzt schon eine ganze Weile politisch aktiv, auch bei Dir in der Kommune. Was genau machst Du da und seit wann?

Seit 2004 sitze ich hier in Geringswalde im Stadtrat, zwischendurch war ich fünf Jahre lang Jugendbeauftragter der Stadt. In der Fraktion DIE LINKE darf ich mich stellvertretender Fraktionsvorsitzender nennen. Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich im Stadtrat, meist Redebeiträge – aber ich finde, dass sich Politik nicht nur im Rathaus abspielen darf, sondern draußen auf der Straße, sei es eine Demo, ein vor-Ort-Termin, ein Gespräch oder einfach mal ein „Hallo“ …

Wie bist du denn überhaupt auf die Idee gekommen, in Geringswalde für den Stadtrat zu kandidieren?

Nun, das ergab sich damals, als wir in der Schule das Klassenzimmer streichen wollten und im Stadtrat waren, um nach Geld für Farbe zu betteln. Damals hat nur die PDS gesagt: „Klar, macht das, klingt gut“. Dieses Erlebnis, etwas machen zu wollen, mit dem Rückhalt der damaligen Schule und dem „Nein“ der übrigen Stadtratsfraktionen, hat mich irgendwie geprägt und das war dann, als man mich fragte, auch der Punkt, wo ich etwas verändern wollte.

Wie viele sitzen denn insgesamt bei euch im Stadtrat – und wie viele davon sind jung?

16 Stadträte, davon bin ich mit 30 Jahren der Jüngste :'(

Hattest du Startschwierigkeiten im Stadtrat?

Nun, die Schwierigkeiten hatten eher die anderen (lacht). Klar ärgert mensch sich, wenn ein Antrag von einem abgelehnt wird. Aber – und das haben mir die vergangenen neun Jahre Stadtrat gezeigt – meist fand ich meinen Antrag drei Monate später, eingereicht von einer anderen Fraktion, wieder. Und am Ende zählt, dass etwas Gutes umgesetzt wird, womit mensch das Leben vor Ort besser macht.

Was siehst Du als Erfolg Deiner Stadtratstätigkeit?

Nun, einiges. Das geht vom Bau eines Bolzplatzes über die Kostenfreie Nutzung der kommunalen Turnstätten und Gebäude durch Vereine bis hin zur Verhinderung von Steuererhöhungen. Die Hundesteuer sollte beispielsweise erhöht werden, und unsere Fraktion war als einzige dagegen. Als es dann zur Abstimmung kam, organisierten wir eine Demo mit 70 Geringswaldern vor dem Rathaus. Alle Stadträte sind umgekippt, das Steuererhöhungsthema war vom Tisch.

Okay, und gibt es irgendetwas, was dich frustriert?

Oh ja. Sitzungen hinter verschlossenen Türen zum Beispiel. Oder die Arroganz mancher, über Themen zu entscheiden, ohne mit den Betroffenen vorher geredet zu haben. Zum Beispiel wurde ein Jugendparlament bei uns abgelehnt, weil eben Leute im Stadtrat mit Altersdurchschnitt 65 meinen, genau zu wissen, was „die Jugend“ braucht und will.

Nochmal ganz auf Anfang: Wie liefen denn Dein Wahlkampf und Deine Wahl ab?

Nun, als junger Mensch stach ich auf dem Wahlzettel mit all den nicht so jungen anderen Kandidierenden hervor und hatte es schon deshalb relativ leicht. Außerdem platzierte mich die PDS damals auf dem zweiten Listenplatz. Und dann waren ja vier Jahre Zeit, um mich zu beweisen. Bei der letzten Wahl hatte ich dann von allen Kandidierenden mit Abstand die meisten Stimmen. Das hat manchen damals ganz schön gewurmt.

Was würdest du jungen Leuten sagen, die überlegen, für ein kommunales Mandat anzutreten?

Da würde ich raten, die Überlegung schnell in die Tat umzusetzen. Und das geht am besten bei der LINKEN. Und unsere Zukunft gestalten wir am besten doch selbst.

Die Fragen stellte Tilman Loos.