Was passiert in Mali?

Zur besseren Einordnung der Geschehnisse in Mali und auch insbesondere als Entgegnung auf den aktuelle Zwischenruf von Pieter Potgieter möchte ich einen kurzen chronologischen Abriss der Entwicklung in Mali geben. Ich greife dabei auf Informationen der Frankfurter Rundschau und der Seite www.upi.com (hier) zurück.

UN-Helfer rechnen mit 700000 Flüchtlingen, aktuell sind schon 200000 innerhalb des Landes und in die Nachbarländer geflohen. Im Norden des Landes ist nach übereinstimmenden Informationen die Scharia als Rechtsordnung auf dem Vormarsch. Der Stern berichtet: „Außer den Gefechten zwischen den von Frankreich unterstützen Regierungstruppen und islamischen Extremisten gaben Zeugen in Gesprächen mit Helfern massive Übergriffe durch die Rebellen als Fluchtgrund an. Sie hätten willkürliche Hinrichtungen sowie „Bestrafungen“ durch das Abtrennen von Gliedmaßen unter Berufung auf die Scharia (islamische Rechtsprechung) geschildert, berichtete UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming.“

Eine kurze Chronologie

21./22. März 2012: Meuternde Soldaten stürzen Präsident Amadou Toumani Touré. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes.
30. März: Bewaffnete islamistische Gruppen nehmen die Hauptstädte der drei Nordprovinzen ein: Kidal, Gao und Timbuktu. Der Norden Malis wird de facto vom Rest des Landes abgespalten.
6. April: Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.
12. April: Der frühere Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird Interimspräsident.
30. Juni: Islamisten zerstören in den nördlich gelegenen Provinzen Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.
12. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution, in der die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft aufgefordert wird, binnen 45 Tagen ihre Pläne für einen Einmarsch in Malis zu präzisieren.
15. Oktober: Die EU-Außenminister beschließen in Luxemburg die Entsendung von Militärausbildern nach Mali, um die einheimischen Streitkräfte für den Kampf gegen die Islamisten zu rüsten.
19. Oktober: In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.
1. November: Außenminister Guido Westerwelle stellt in Mali humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.
12. November: Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.
5. Dezember: Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.
20. Dezember: Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis „mit allen notwendigen Mitteln“ unterstützen, heißt es in der Resolution.
8. Januar 2013: Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.
10. Januar: Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.
11. Januar: Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal sind in Mali eingetroffen. Zuvor hatte Präsident Dioncounda Traoré in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.
Wie geht es weiter?