Erinnerung an Alexander Dubcek

Underground postcard 1

von Karl-Heinz-Gräfe

Vor zwei Jahrzehnten, am 7. November 1992, kam Alexander Dub?ek durch einen Autounfall ums Leben. Er war eine der bedeutsamsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Tschechoslowakei. Geboren wurde er am 27. November 1921 im slowakischen Dorf Uhrovec. Er wuchs seit dem vierten Lebensjahr in einer Kolchose in Kirgisien auf, denn seine Eltern wollten als überzeugte Sozialisten beim sozialistischen Aufbau in der UdSSR helfen.

Als er mit 17 Jahren in seine Heimat zurückkehrte, war Nazideutschland gerade dabei, die Tschechoslowakei zu zerstören. Als junger Kommunist nahm er am antifaschistischen Widerstand gegen die deutschen Okkupanten teil und stieg nach dem Krieg vom 1. Bezirkssekretär (1950) bis zum Parteichef der Slowakei (1963) auf. Er gehörte in dieser Zeit zu den herausragenden Reformkommunisten, die im am weitesten entwickelten osteuropäischen Land den Versuch unternahmen, den Staatssozialismus sowjetischen Typs in einen demokratischen Sozialismus mit menschlichen Antlitz umzubauen.

Zunächst mit Zustimmung Moskaus wurde er am 5. Januar 1968 Erster Sekretär der KP? und stand damit an der Spitze der sozialistischen Erneuerung. Doch die sowjetische Führung lehnte seit Frühjahr 1968 den Weg einer Demokratisierung und den Übergang zur sozialistischen Marktwirtschaft entschieden ab. Der überzeugte Kommunist und Internationalist hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass ohne Zustimmung von Staatspräsident Ludvik Svoboda, Ministerpräsident Old?ich ?ernik und Parlamentspräsident Josef Smrkovsky ab dem 21. August 1968 800.000 sowjetische, polnische, ungarische und bulgarische Truppen mit 7.500 Panzern, 2.000 Geschützen und 1.000 Flugzeugen in das Land einfallen und es besetzen würden. Dub?ek und fünf führende Reformkommunisten wurden inhaftiert und in die Sowjetunion verschleppt. Erst nach Verhandlungen einer tschechoslowakischen Delegation unter Leitung von Präsident Svoboda sah sich Kremlchef Breshnew am 24. August 1968 veranlasst, ?ernik, Dub?ek und weitere Reformkommunisten freizulassen. Auf der Grundlage des unterzeichneten Moskauer Geheimprotokolls erfolgte schrittweise die Restauration des Staatssozialismus sowjetischen Typs. Der populäre Alexander Dub?ek wurde 1969als Parteichef abgesetzt und zunächst als Diplomat in die Türkei abgeschoben. Seit seinem Ausschluss aus der Partei arbeitete er als Forstarbeiter.

Etwa eine halbe Millionen Kommunisten wurden aus der Partei ausgestoßen. In diesem sogenannten Normalisierungsprozess verloren jeder zweite Journalist und ein Drittel aller Offiziere ihre Arbeit. 9.000 Hochschullehrer wurden fristlos entlassen. Das Reformprojekt hatte die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung, es scheiterte durch die militärische Intervention. Erst in der „samtenen Revolution“ 1989 kehrte Dub?ek auf die politische Bühne zurück. Doch drei Jahrzehnte nach dem „Prager Frühling“ waren Tschechen und Slowaken nicht mehr bereit, für einen demokratischen Sozialismus zu kämpfen. Sie entschieden sich in freien Wahlen für den Kapitalismus und auch noch für die Auflösung der CSSR in zwei souveräne Staaten.

Bild: cc by flickr von Fauxaddress –  Edward

http://www.flickr.com/photos/fauxaddress/3221073829/