Initiativen-Konferenz „Asyl in Sachsen“

Wismar (Haffeld-Süd) - Asylum-seekers' hostel

von  Anja Oehm

Das Kulturbüro Sachsen e. V. und der Sächsische Flüchtlingsrat e. V. hatten im September zu einer Initiativen-Konferenz eingeladen. Neben etwa 40 Aktivistinnen und Aktivisten nahm auch die Europaabgeordnete Cornelia Ernst (DIE LINKE) daran teil.

Die Asyldebatte wird in Deutschland unter dem Aspekt der Nützlichkeit geführt. Die Konferenz jedoch widmete sich dem Thema unter dem Aspekt der Menschenrechte. 4300 bis 4500 Flüchtlinge leben derzeit unter uns; es gibt 31 Wohnheime, aber gute gibt es nicht. Denn Wohnheim bleibt immer Wohnheim. Mehrbettzimmer bieten keine Privatsphäre. Von den 1000 jährlich ankommenden neuen Asylsuchenden können 400 bis 500 bleiben. Was sie erwartet, sind 8-10 Jahre Aufenthalt im Heim. Das ist so geplant und eine Katastrophe für die Betroffenen, die unter diesen Bedingungen psychisch und physisch krank werden. Die Forderung des Flüchtlingsrates lautet deshalb, neue Asylbewerber nicht länger als ein Jahr in Wohnheimen unterzubringen.

Dreizehn Kommunen haben dreizehn verschiedene Arten des Umgangs mit Asylbewerbern, wurde festgestellt. Während in Chemnitz 60-70 % dezentral untergebracht werden, sind es in Mittelsachsen weniger als 10 %. Die Bargeldauszahlung wurde durchgesetzt, nur der Landkreis Leipzig sträubt sich dagegen. SPD-regierte Länder handhaben Asylfragen immer fortschrittlicher als CDU-regierte. Würde man alle Länder auf einer Bewertungsskala festhalten, käme für Sachsen Platz 13-14 von 16 heraus. Kein Ruhmesblatt für den Freistaat.

Ali Moradi vom Flüchtlingsrat appellierte an die Aktivisten, nicht aufzugeben. Sich für Flüchtlinge stark zu machen, sei mühsam. Aber es lohne sich. In den letzten Jahren habe es riesige Fortschritte gegeben; es sei immer wieder gelungen, Verstöße gegen die Menschenwürde anzuprangern. Es gibt jetzt den Heim-TÜV, und mit Martin Gillo als Sächsischem Ausländerbeauftragten habe sich einiges getan. Demnächst wird es auch eine „Orientierungshilfe“ für Flüchtlinge geben. „Willkommensbroschüre“ darf diese leider nicht heißen, denn willkommen ist hier niemand.

Besondere Kritik wurde am Asylbewerberheim in Langburkersdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge geäußert. Hier würden offensichtlich alle Asylbewerber landen, die Probleme machten. Das Wort „Straflager“ fiel. Was die Flüchtlinge dort erwarte, führe zu tiefer Enttäuschung, Flucht in den Drogenkonsum, unkontrollierten Ausbrüchen. Immer noch lebten diejenigen, die das Abbrennen des einen Heimtraktes miterleben mussten, in Angst. Es gebe einen großen Unterschied zwischen Asylunterkünften in der Stadt und auf dem Land, wurde festgestellt. Die Zustände in den ländlichen seien „gruselig“ und es ergebe sich die Frage, ob man Asylbewerber nur noch in großen Städten unterbringen sollte. Dass auch das schwierig sein kann, berichteten Aktivisten aus Pirna. Als dort ein großes Asylbewerberheim aufgemacht werden sollte, gab es Unterschriftensammlungen dagegen – u.a. auch von Gewerbetreibenden, Ärzten. Bedenken äußerte auch die in unmittelbarer Nähe gelegene evangelische Grundschule.

Die Konferenz hat insgesamt gezeigt, dass es in Sachsen viele motivierte Aktivistinnen und Aktivisten gibt, die unverdrossen Menschenwürde für Flüchtlinge einfordern. Beim Anblick der vornehmlich jungen Gesichter in der Runde wurde klar: Es hat ein Generationswechsel stattgefunden. Auch viele junge Menschen engagieren sich für Flüchtlinge – das stimmt froh.

Bild: cc by flickr von .patrick.

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