Sonntags-Hörtipp: „Empört Euch“ – Zur Aktualität von Rousseaus Gesellschaftsvertrag

Die Tinte war noch nicht nicht trocken zum letzten „Fernsehtipp“, da traf die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk und an den Linken per Rundumschlag in einem Leserbrief ein. Gleichwohl: Die ungemein informative Sendung am gestrigen Abend über die Vietnamesen hat viele gerührt und der Film wird möglicherweise nächstes Jahr beim Tet-Fest in Dresden zu sehen sein, jedenfalls kann sich das auch die Regisseurin und Autorin des Films über „die Moritzburger“ gut vorstellen.

In der Reihe Essay und Diskurs widmet sich nun am Sonntag dem 1. Juli der Deutschlandfunk 9.30 Uhr der Aktualität des Gesellschaftsvertrages von Jean-Jaques Rousseau, der vor 300 Jahren geboren wurde.  Wer sich heute irgendwie links nennt sollte sich um so stärker der Wurzeln des „Links-Seins“ bewusst werden. Dass dem bei vielen „Linken“ nicht so ist, haben in dieser Woche die Ex-Linken Ostrowsky und Weckesser in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau bewiesen. Beide sind sich nach wie vor keiner Schuld bewusst, sehen sich als von Lafontaine aus der Partei gemobbt und bezeichnen die Übergabe des kommunalen Wohnungsbestandes der Stadt Dresden an einen amerikanischen Finanzinvestor mit reinen Spekulationsinteressen immer noch als große Wohltat. Wenn es heute selbst innerhalb der Linken viele Unklarheiten über den politischen Standpunkt in Sachen Krieg und Frieden (ganz entgegen der nach Außen vertetenen Friedenspolitik, haben viele Parteifreunde Schwierigkeiten mit dem praktischen Verständnis und der Anwendung von Völkerrecht), Privatisierungs- und Europapolitik gibt, so hat das seine Ursachen in fehlendem Wissen über die Wurzeln der Aufklärung bis hin zu fehlenden Verständnis für die Zusammenhänge der französischen Revolution. Die großen Lücken können kurze Sendungen weder im Rundfunk noch im Fernsehen schließen – doch mögen sie dazu anregen, sich tiefer mit den Wurzeln des Links-seins zu beschäftigen, denn ohne die Kenntnis historischer Zusammenhänge ist es nicht möglich in die Zukunft zu schauen. Wer heute in Wikipedia sucht sollte zumindest wissen, dass es Rousseau war, der als erster eine Enzyklopädie schuf. Dass Wunderbare an Wikipedia ist es aber heute, dass jeder Linke daran mitwirken kann. Wer es nicht tut, kann allerdings nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich machen. Ja, die Medien sind zu verbessern aber statt sie permanent zu kritisieren kann man selbst dazu beitragen sie weiter zu entwickeln – und sei es durch die Mitwirkung an der heute wichtigsten Welt-Enzyklopädie.  Rousseau wäre ob der neuen individuellen Wirkmöglichkeiten entzückt.