„Asylbewerber gehen hier durch die Gosse!“

Von Anja Oehm

Regionaltag von MdEP Dr. Cornelia Ernst:

Ihr 1. Regionaltag im Raum Sebnitz sollte Conny Ernst ins Asylbewerberheim führen. Auf Lampedusa sah sie mit eigenen Augen die Flüchtlingsdramen, erzählt sie, als wir uns vorab im neuen Pirnaer Infoladen von AkuBiz und Roter Baum e.V. mit der AG Asyl treffen. Das Heim in Langburkersdorf ist zur Hälfte abgebrannt. Ein Teil der Bewohner wurde auf kleinere Einrichtungen und Wohnungen verteilt. Was offenbar gar nicht so schlecht funktioniert, erfahren wir von Kati Hille, der 2. Beigeordneten des Landrates. Aber egal, das nächste große Heim in Schmiedeberg ist beschlossene Sache, dezentrale Unterbringung kein Thema. „Vor allem die Nebenkosten fallen uns auf die Füße“, erklärt Frau Hille. Wenn man die Kommunen besser ausstatten würde, wäre es leichter, räumt sie ein. Auch die Betreiberin will angesichts der Schlagzeilen über menschenunwürdige Zustände in Langburkersdorf nicht als Buhmann dastehen. Keiner könne nachvollziehen, was es bedeute, so ein Heim zu betreiben, wird uns gesagt. Nachdem der „arabische Frühling“ irgendwo steckengeblieben ist, kommen vorwiegend junge Männer aus Nordafrika auf lebensbedrohlichen Wegen zu uns. „Wann Schule, wann Arbeit?“ seien die ersten Fragen ihrer Neuankömmlinge, erzählt uns Heimleiterin Ute Bensing, als wir im Asylbewerberheim an ihrem Tisch sitzen. Wenn dann nichts passierte, fielen sie in ein tiefes Loch. Nach Wochen der Untätigkeit setzt Resignation ein, die Menschen werden psychisch krank, es gibt Gewaltausbrüche, der Notarzt muss hier Leben retten, die Polizei einschreiten. Die Beschäftigten müssen das aushalten, brauchen selbst aber dringend Hilfe! Ein Sozialarbeiter ist halbtags damit beschäftigt, Strafbescheide zu bearbeiten.

Man muss die Leute an die Hand nehmen, meint Ute Bensing, die für DIE LINKE. im Neustädter Stadtrat sitzt. „Asylbewerber gehen hier durch die Gosse“, entfährt es einem, der hier arbeitet. Deprimiert verabschieden wir uns nach zwei Stunden von der agilen Ute Bensing, die wohl den schwersten aller Jobs im Landkreis macht.

„Zustand im Asylheim erschüttert Europaabgeordnete“ schreibt am nächsten Tag die SZ. Wir sind wütend: wenn alle Landkreise aufbegehrten, müsste sich was ändern. Hier herrscht ein Notzustand! Zentrale Unterbringungsmöglichkeiten sind auf Dauer eine Katastrophe und es sind Psychologen und Sozialarbeiter notwendig, um mit den Betroffenen zu reden. Wir beschließen den Abend mit einem Vortrag von Conny zu „Rechtsextremisten im Europaparlament“ im Pirnaer Infoladen. Der Vortrag ist fesselnd und begeistert die jungen Leute von AkuBiz. Übrigens: der engagierte Verein hat am 2. April ein neues Fördermitglied gewonnen: die Europaabgeordnete Dr. Cornelia Ernst.

Tags: