Volker Braun für Links! 12/2011

Sie stehen schweigend in der Dunkelheit
Im tiefen Schnee in ihrem Ehrenkleid.
Wohin, ihr schwarzen Leute? Unbetrübt
Gehn sie der Arbeit nach, dies nicht mehr gibt.
Fest in der Pfote halten sie ihr Licht
Daß bei der Nacht es daran nicht gebricht.
Sie steigen ordentlich den Berg hinan
Zur großen Einfahrt von Sankt Ann.
„Genossen warens alle“, freigesetzt
Gehn sie zum Gottesdienst und beten jetzt.
Arschkalt ist es bei Gott in seinem Bau
Wie erdenwarm geheizt war ihr Verhau.
Sie sind vereint, als wären sie vor Ort
Und beten barhaupt, aber nicht das Wort.
Das höchste Wesen lebt in dem Gedicht
Vom Steiger, welcher kommt mit seinem Licht.
Das Gedicht “Die Mettenschicht” vomn Volker Braun entstand im Dezember 2010 in Eisleben und wurde durch die Links! erstmals publiziert. Es schließt an die Erzählung “Die hellen Haufen” an, die 2011 im Berliner Suhrkamp Verlag erschienen ist, und in der letzten Ausgabe rezensiert wurde.
Das Bild “Halde mit Espen” ist eine Kaltnadelradierung von der Hallenser Künstlerin Claudia Berg, entstand 2009 in der Serie “Mansfelder Landschaften”. (55,5 x 72 cm)
www.claudia-berg-grafik.de
Am 16. Dezember wurde “Die Mettenschicht” in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt, hier ein Ausriß. Eine wenig freundliche Rezension in der FAZ findet sich hier.
