Der Mai ist gekommen …

Posted by on Mai 4, 2011 at 2:10 pm.

Von Peter Porsch

und wird als „Wonnemonat“ in vielen Liedern besungen. „Lasst das Haus kommt heraus, windet einen Strauß“ schlägt uns 1818 Hermann Adam von Kamp vor. Es war die Zeit, in der die Städte anfingen, grau zu werden vom Kohlenruß und dem Dampf der aufkommenden Fabriken. Einher damit ging die Sehnsucht nach Licht und Luft, nach dem Verlassen der immer enger werdenden städtischen Quartiere und eben nach dem Mai. Denn schon immer wussten die Bauern, „Mitte Mai ist der Winter vorbei“. So wonnig, wie er besungen wird, ist der Mai aber gar nicht – nicht in der Jahreszeit und nicht in der Geschichte. Für die Jahreszeit bekunden das die Bauernregeln: Sie beschwören das gute Wetter für den 1. Mai, weil „wenn‘s Wetter gut am 1. Mai, gibt es viel und gutes Heu.“ Fakt ist aber ebenso, „Mai kühl und windig, macht die Scheune voll und pfündig“. Wir kennen die Eisheiligen, die uns vom 11. bis 14. Mai noch mit Frost daherkommen können. Es folgt ihnen der Regen der „feuchten Sophie“. Die entsprechenden gereimten Weisheiten gibt es zuhauf. Nach Expertenmeinung stimmen sie in etwa zwei Drittel der Fälle. Es liegt ihnen nicht zu unterschätzende Erfahrung zugrunde.

Linke schauen auf zwei besondere Daten im Mai, auf den 1. Mai und auf den 8. Mai. Übrigens eine Woche, für die wir dieses Jahr, geht es nach den Bauernregeln, kein gutes Wetter erwarten können. „Der Mai kommt so gezogen, wie der November verflogen.“ Das hieße für diesmal Schnee und Kälte. Alles schon da gewesen. Der 1. Mai galt und gilt vielen als „Kampftag der Arbeiterbewegung“; bei jedem Wetter. Manchen ist er schlicht „Tag der Arbeit“. Selbst die katholische Kirche kam nicht umhin, 1955 den 1. Mai zum Festtag des „Heiligen Josef, des Arbeiters“ zu machen. Die Nazis versuchten auf den Zug aufzuspringen und erklärten den 1. Mai zum „Feiertag der nationalen Arbeit“. Was davon wirklich zu halten war, war schnell zu bemerken. Im Jahre 1933 als solcher zum ersten Mal begangen, folgte ihm schon am Tag darauf das Verbot der Gewerkschaften. Zwölf lange und schreckliche Jahre mussten dann vergehen, bevor am 8. Mai 1945 der Spuk endgültig zu Ende war. Zu recht verstehen wir diesen Tag als den „Tag der Befreiung vom Faschismus“. Und wir haben einen guten Zeugen dafür – Richard von Weizsäcker. Am 8. Mai 1985 bestätigte er als Bundespräsident in einer Rede diesen Tag als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Dies ist umso bemerkenswerter, als dem Sohn eines Diplomaten des faschistischen Deutschland und dem Offizier der Wehrmacht, der vom ersten Tag des Krieges mit dabei war und auch zur Blockade vor Leningrad stand, die 1,1 Millionen Tote forderte, diese Einsicht nicht in die Wiege gelegt war. Wir sollten ihm den Lernprozess abnehmen. Umso wichtiger ist seine Erkenntnis. Sie wird nicht von allen geteilt. Für nicht wenige ist der 8. Mai nur der Tag des Kriegsendes. Dazu gab es auch Streit im Sächsischen Landtag. Einen gibt es sogar, für den ist der 8. Mai weder Tag der Befreiung noch der Tag des Kriegsendes. Es ist der Eisheilige jüngster deutscher Geschichte, Hubertus Knabe. Mit dem üblichen Schaum vor dem Mund erklärt er uns den 9. November 1989, den Tag der „Maueröffnung“, zum eigentlichen Tag der Befreiung und des Endes des Zweiten Weltkrieges. Wäre es nicht der Missbrauch dieses geschichtsträchtigen Datums, so könnte man ja gnädig mit Schweigen über so viel Unsinn hinweg gehen. Aber die Nazis haben den Tag, an dem z.B. 1918 Ebert die „Deutsche Republik“ und Liebknecht die „Deutsche Räterepublik“ ausriefen, für immer geschändet, mit dem Marsch zur Feldherrenhalle 1923, mit der Gründung der SS 1925 und endgültig mit der so genannten Reichskristallnacht 1938. Kein späteres Ereignis an diesem Tag kann dies je vergessen lassen. Und gerade deshalb bleibt auch der 8. Mai unwiderruflich ein Tag der Befreiung. Wie bei den Bauernregeln lehrte das die Erfahrung und ganz anders als bei den Bauernregeln stimmt es für immer.

Quelle Flickr Autor TPCOM

One Comment

  • annabolika sagt:

    Hallo Herr Porsch,
    Der 8.Mai 1945 ist und bleibt ein “Tag der Befreiung vom Faschismus” und so gesehen stimmt Ihre Meinung mit der meinen völlig überein.
    Allerdings ist auch der 9.November 1989 ein Tag der Befreiung, das werden Sie doch nicht leugnen können. Wie man ihn auch bezeichnen mag, als Tag der Befreiung vom Sozialismaus, vom Herrschaftssystem der Arbeiterklasse, vom Zwangssystem der SED, sicher wird Ihnen da noch ganz anderes Vokabular zu Ohren gekommen sein.
    Und wenn ein Herr Knabe den 9.November 1989 als Ende des 2.Weltkrieges bezeichnet, so hat er damit ebenfalls nicht ganz unrecht.
    Denn letztendlich war die DDR ein Produkt des Endes des 2.Weltkrieges und mit diesem Ende begann ein neuer Krieg. Der kalte Krieg. Haben Sie das vergessen?
    Ich habe den Eindruck, dass Sie nur das Wort Befreiung stört, aber so ist es nun einmal im Leben, des einen Befreiung ist die Schmach der Niederlage des Anderen.
    Dabei liegt keine Häme in meinen Worten, weil es im übertragenen Sinne keine Niederlage war. Dass der Sozialismus als Idee einer besseren Gesellschaft zugrunde gehen mußte, lag nicht an den Menschen und gleich gar nicht an Ihnen, es lag an der Idee. Die war und ist falsch.

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