Sachsen braucht Einwanderung

Posted by on März 10, 2011 at 3:42 pm.

Peter Porsch zu Dichtung und Wahrheit zum Thema Einwanderung

Am 14. Februar diesen Jahres meldete der mdr mit hörbarer Erleichterung, dass in Ägypten Entscheidungen gefallen seien. Die internationalen Verträge würden eingehalten, weshalb weiter Öl durch den Suezkanal transportiert werden könne. Das mache Anlegern Mut. Die Kurse seien im Schnitt um 2% gestiegen. Die Logik: Offene Seewege, sichere Gewinne, höhere Kurse. Der Erleichterung folgte jedoch Panik. Denn plötzlich eröffneten sich auch Menschen Seewege, wenn auch höchst unsichere mit kleinen Booten über das Mittelmeer von Afrika nach Europa. Da war keine Rede mehr von höheren Kursen. Vielmehr überstürzten sich die Überlegungen, wie man diese Seewege schnellstens und sicher blockieren könne. Das Öl aus den arabischen Ländern bringt Profit, die Menschen sind eine Last. Wem gehört aber dieses Öl? Sichert es in Europa, Nordamerika und einigen Ländern Asiens Profit, so ist es doch nicht verwunderlich, dass jene Menschen, die beim Öl wohnen, ohne ausreichend daraus Gewinn ziehen zu können, dem Öl hinterher ziehen. Das gilt natürlich ebenso für viele andere Ressourcen. Eine unendliche Geschichte, nicht erst seit heute, sondern seit Menschengedenken. Sichert das „Revier“ nicht mehr das Leben, zieht man weg. Zieht man weg, trifft man aber meist auf andere Menschen. Das gibt Konflikte, Konflikte, die man lösen kann, auf unterschiedlichste Art. Solche Konflikte zu schüren, ist mehr als fahrlässig. Es ist inhuman und einer zivilisierten Gesellschaft unangemessen. Ausländerfeindlichkeit schließt sich selbst aus der Debatte aus. Sie ist keine legitimierte Meinung, sondern letztlich nur krimineller Bruch aller Menschenrechte.
In dieser Ausgabe wird die Frage nach Sachsen als Einwanderungsland gestellt (Lesen Sie dazu auch das Interview zur Situation vietnamesischer Einwanderer in Sachsen auf der folgenden Seite). Kurt Biedenkopf hat schon zu seiner Amtszeit darauf hingewiesen, dass wir angesichts der demographischen Entwicklung unseren Wohlstand ohne Zuwanderung bald nicht mehr halten werden können. Heute gehört das zu den Allgemeinplätzen der Staatsregierung. Jetzt ist es ihr plötzlich ein Dorn im Auge, dass bei etwa 2% – 3% Anteil an Ausländerinnen und Ausländern in Sachsen verbreitet die Meinung herrscht, es seien um die 30%, und das seien zu viel. Bundesweit beträgt der Anteil ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger übrigens 8,1%. Man könnte jetzt weiter die Statistik durchforsten und käme zu erstaunlichen Ergebnissen. Z.B. beträgt der Anteil von Menschen mohammedanischen Glaubens in Sachsen gerade mal 0,1%. Oder: Die Gymnasialquote liegt bei vietnamesischen Kindern bei 75%, bei deutschen nur bei 50%. Scheinheilig ist die Position der Staatsregierung dennoch: Wie auch andere konservative Politiker will sie nur jene willkommen heißen, die Gewinn für die Wirtschaft versprechen oder zur Lösung struktureller Probleme beitragen können. Wohlstand geht so vor Menschlichkeit. Indische Ingenieure z.B. sind gefragt, tschechische Ärzte auch. Nicht gefragt wird aber, was das für Indien und Tschechien bedeutet. Es bedeutet Verlängerung der Armut in Indien und Zerstörung des Gesundheitswesens in Tschechien. Die Folge? Zurückgelassenen Menschen ziehen hinter ihren Ingenieuren und Ärzten her, so wie andere hinter ihrem Öl. Diese aber weisen wir, so es nur irgend geht, ab. „Absaugen“ von Wohlstandsgarantinnen und -garanten aus anderen Ländern und dann Mauern gegen die Folgen errichten ist erstens Kolonialismus in neuem Gewande und wird zweitens nicht durchzuhalten sein. Jeder Mensch, der mit ehrlichen Wünschen und ehrlichen Absichten zu uns kommt, ist eine Bereicherung, auch wenn er zunächst Hilfe braucht. Das ist die einzig zulässige Maxime.

16 Comments

  • annabolika sagt:

    Heuchlerisch und scheinheilig ist nicht nur die Position der Regierungen- im Übrigen wohl aller europäidchen Regierungen- heuchlerisch und scheinheilig so sind auch wir, zumindest der mehrheitliche Teil von uns.
    Wir sind zwar dafür, dass die afrikanischen Menschen ihre Diktatoren abschütteln und ihre Freiheit erringen, aber wehe dem die schwarzen Jungs nehmen den Begriff Freiheit allzu wörtlich. Dann katapultieren wir sie aber sehr gern und sehr schnell auch wieder hinaus aus dem vermeintlichen Paradies.
    Als Käufer unserer Waren wiederum so sind sie uns herzlich willkommen, aber bitte zu Hause in ihre Blechhütte vor der Mülldeponie mit deutschem Müll, nicht bei uns.
    An die Zukunft denken
    Grabsteine schenken!
    annabolika

  • Peter Porsch sagt:

    Die Gesellschaft ist strukturiert, in ihr gibt es unterschiedliche und gegensätzliche Meinungen, Opposition. Wer den Artikel genau liest, wird merken, dass er genau dem “Hinauskatapultieren aus dem Paradies” entgegentritt. Versuchen wir das zur Mehrheitsposition zu machen.

  • annabolika sagt:

    Bringen wir aber allzuviel Menschlichkeit auf und lassen auch die Menschen von unserem Tisch essen, von denen wir wissen, dass sie hier niemals Arbeit finden werden, so geht dies zu Lasten unseres eigenen Futters. Die Frage ist doch nicht, ob Sie oder ich das für richtig halten oder nicht, die Frage ist doch ob dies eine Gesellschaft verkraftet oder ob es sie irgendwann aus dem Gleichgewicht bringt.
    Es wird als Ungerechtigkeit empfunden werden, zumindest solange es Arbeitslosikeit im eigenen Lande gibt. Und es fördert das Erscheinen neuer Führer und Blender und neuer Hass auf Menschen anderer Hautfarbe, anderer Glaubensreligionen etc.wird entstehen.
    Es ist schon merkwürdig, wenn Leute stinkreich sind, so stinkreich, dass Sie ohne zu arbeiten ihren Reichtum verprassen können, ohne dass das eigenliche Grundkapital überhaupt nur angetastet wird, so juckt das im Grunde genommen keinen Menschen. Das ist eben so, sagt man da, da kann man nichts machen. Und dass wir es sind, die denen die Zinsen und Zinseszinsen verdienen müssen, davon redet gleich gar keiner mehr.
    Wenn aber Leute so arm sind, dass sie nur um einen Brotkrumen vom Reichtum zu erhaschen, sich in ein wackliges Boot drängen, immer in der Gefahr von den großen Wellen verschlungen zu werden, da regt sich alles über Mißbrauch von Steuergeldern auf.
    Führen wir ein gerechtes Geldsystem ein, dann klärt sich vieles von selber.

    • Peter Porsch sagt:

      Genau das, was Sie beschreiben, muss man ändern und zugleich beweisen, dass es die Gesellschaft nur insofern aus dem “Gleichgewicht” bringt, als dass das Ungleichgewicht zugunsten des Reichtums so aufgehoben wird, dass Armut möglichst verschwindet. Sie ist ja die Voraussetzung für Reichtum. Natürlich geht das nicht einfach so und im “Handstreich”. Aber das Teilen ist ein Teil davon.

      • annabolika sagt:

        Hallo Herr Porsch, soweit herrscht Einigkeit zwischen uns, gut so, aber jetzt die Kardinalfrage: Wie wollen Sie denn das Ungleichgewicht zugunsten des Reichtums aufheben?
        Nach der Methode Marx/Engels durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel?, durch Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln?
        Das Finden parlamentarischer Mehrheiten für einen solchen Akt der Gewalt wird wahrscheinlich nicht möglich sein, zumindest wird es ein sehr wackliges Unterfangen- und der Erfolg eher zweifelhaft.

        Ich habe da eine wesentlich unblutigere und zugleich wirkungsvollere Methode beim Studium und beim selber Nachdenken gefunden.

        Kurzerklärung: Wir betrachten unser Geld als etwas Gottgegebenes als etwas, welches gar nicht anders sein kann als so, wie es ist. Wir ziehen das Geld als solches gar nicht in unseren Betrachtungshorizont ein, weil wir glauben, dass so etwas Profanes und zugleich Undurchschaubares ja gar nicht Schuld sein kann an all den Mißständen unserer Welt.
        Wir vertrauen immer den “Experten” die ein stabiles Geld fordern,weil es uns selbstverständlich und natürlich erscheint, dass das Geld stabil sein muß.
        Ein stabiles Geld ist aber nur sinnvoll als Wertaufbewahrungsmittel.Da ist es von Nutzen und daran interessiert sind natürlich in erster Linie auch die wahren “Geldbesitzer”
        Babei wäre ein Geld, welches gleichmäßig an Wert verliert für die Gesellschaft als Ganzes von ungeheurem Vorteil. Dann und nur dann ist es ein Tauschmittel.
        Ein Tauschmittel für von anderen hergestellte Waren, die ich mir nicht selbst herstellen kann.
        Denn! auch die Waren verlieren an Wert -ständig und immer wieder, werden älter unbrauchbarer oder werden verbraucht,das gilt für alles von Kartoffeln über Dienstleistungen bis Brückenbauwerke etc…. alles altert verliert an Wert.
        Das Tauschmittel soll wiederum aber stabil bleiben.
        Wem nutzt das wohl?
        Wäre es anders und unser Geld würde per Gesetz jedes Jahr, sagen wir mal 5% an Wert verlieren (so wie die Waren), dann würde alles Geld sofort auf dem Markt sein, auch das Geld der Superreichen, und würde nach Waren schreien. Denn wer verliert schon gern 5% von seinem Vermögen.
        Man nennt so was auch Umlaufsicherung. Der ständige und sinnvolle Umlauf des Geldes wäre gewährleistet und irgendwann, sicher nicht gleich und sofort, würde auch der Superreiche wieder arbeiten gehen müssen, weil er dann nicht mehr zur Bank gehen kann und sein Geld nicht unter 20% anlegen lassen kann. Und wo diese Anlagestrategen dann das Geld hinschicken, das sehen wir ja an der “Billigproduktion” und Kinderarbeit in Indien, China etc.
        Sie werden sicher schon von Silvio Gesell und seiner “Natürlichen Wirtschaftsordnung” gehört haben. Ich habe das Buch gelesen, es ist nicht ganz einfach, weil man den geschichtlichen Hintergrund mit betrachten muß, aber es ist zumindest wesentlich einfacher und auch logischer aufgebaut als der ganze Marx/Engels. Vor allem kürzer!
        Es liegt mir mir fern Sie zu irgend etwas bekehren zu wollen, aber es war ja bisher ein sinnvoller Gedankenaustausch.
        Und vielleicht hat Sie ja der kaufmännisch philosophische Hintergrund Ihres Gesprächspartners interessiert.
        Freundlichst
        annabolika

        • Peter Porsch sagt:

          Naja, liebe Anabolika, eine Partei steht da ja auch dahinter. Macht aber nichts. Nur: Denken Sie wirklich, was Sie vorschlagen ist leichter durchzusetzen als alles andere von Marx bis meinetwegen Lafontaine oder sonst wen, nur weil es einfach klingt und einfach formuliert ist. Da gibt es ja wohl massive Interessen, die dagegen genau so stehen wie gegen Vergesellschaftungen von Produktionsmitteln oder gegen linke Hegemonien in der Politik. Es wird uns allen nichts anderes übrig bleiben, als uns immer wieder aufzulehnen gegen die Macht der Mächtigen in der Wirtschaft und beim Geld, auf vielfältige Weise, mit vielen Ideen und mit immer wieder neuem Elan auf allen Ebenen von Politik, Kultur, Wirtschaft … miteinander und nicht gegeneinander, mit Optimismus und nie verzagt.
          Viel Spaß!

          • annabolika sagt:

            Also Herr Porsch, Sie enttäuschen mich.
            Mag ja sein, dass ich nicht der Einzige bin, der auf diesen Gedanken gekommen ist, aber mit einer Partei habe ich nichts am Hut. Möglicherweise vertritt die Humanwirtschaftspartei ähnliche Interessen, aber da diese Veränderung des Geldsystems ja im eigentlichen Sinne keine Parteipolitik ist, sondern eher als eine kaufmännische Entscheidung überparteiliche wirken soll, so sollte man diesen Gedanken nicht bloß deshalb verwerfen oder nicht beachten, weil es der Grundgedanke einer anderen Partei ist.
            Was mich aber mehr entsetzt als enttäuscht ist die Tatsache, dass Sie sich mit dem Geldsystem überhaupt nicht beschäftigen wollen. Es liegt Ihnen fern überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden.
            Sie beschäftigen sich lieber mit vermeintlich menschlichen Gegenern, die Sie in Politik und Wirtschaft ausfindig zu machen glauben.
            Der wahre Feind aber sitzt völlig harmlos in ihrem Portomonaise.
            Sollten Sie sich entschließen, das Buch von Silvio Gesell doch noch lesen zu wollen.
            Es steht in meinem Bücherregal.
            Freundlichst
            Annabolika

          • Jörg sagt:

            Diese Gesellianische “schaffendes”-versus-”raffendes”-Kapital-Argumentation geht mir langsam auf den Zeiger. Geld ist eine Ware und ihr Preis ist der Zins als Ausgleich für das Verlustrisiko und Inflation. Wenn Sie meinen, das wäre so einfach, dann versuchen Sie sich doch einfach selber mal an der Börse! Da gehört schon eine Menge Wissen und Zeit, um sich zu informieren, dazu.

  • annabolika sagt:

    @jörg
    nasowasaberauch,was wollen Sie denn als Linker an der Börse,ist doch eigentlich gar nicht Ihre Spielweise, oder?
    Ein linker Börsenspekulant also, igitt,igitt!
    annabolika

  • Jörg sagt:

    @annabolika: Es lebe das Vorurteil! Ist doch angeblich so unheimlich einfach, dort mühelos haufenweise schnelles Geld zu machen, wie man als Linker ganz genau weiß, oder etwa nicht?

    • annabolika sagt:

      @jörg
      ich weiß ja nicht wo Sie das her haben mit der Mühelosigkeit, aber einfacher als arbeiten zu gehen, so man denn Arbeit hat, ist es allemal, insbesondere dann, wenn es nicht das eigene Geld ist , welches man ggf. verzockt bzw. verzocken könnte.
      annabolika

      • Jörg sagt:

        @annabolika: Ach ja? Und woher haben Sie diese Weisheiten? Aus eigener Erfahrung wohl kaum. Oder sind das nicht wie üblich reine Behauptungen, die Sie einfach mal so in den Raum werfen? Klar: Alles was Frauen machen ist natürlich unheimlich harte Arbeit, sich wirtschaftliche Kompetenz an zu eignen, dagegen nicht…

        • annabolika sagt:

          @jörg,
          ich gebe Ihnen als Letztes noch einen Tip und dann beende ich die Konversation mit Ihnen. WKN: 500229
          Viel Glück
          annabolika

          • Jörg sagt:

            @annabolika: Na klar, erst die große Klappe, sich als das allwissende Superhirn hinstellen, das den Stein der Weisen und die alles erklärende Weltformel gefunden hat, dann beim kleinsten Gegenwind den Schwanz einziehen und auch noch das letzte Wort haben wollen. Habe ich ja nichts anderes erwartet!

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