Siegwart Collatz schreibt zur ersten Umweltkonferenz der sächsischen LINKEN.
Ich habe mit Interesse die in der Zeitung der LINKEN in Sachsen begonnene Diskussion über den erforderlichen energetischen Umbau in Deutschland verfolgt. Mich bewegt schon seit der Wende die Problematik, dass unsere linke Partei sich eigentlich ohne politische Notwendigkeit so 100% der Antiatombewegung verschrieben hat. Woher wissen wir genau, wie wir der drohenden Klimakatastrophe am effektivsten begegnen können? Die Fachleute streiten alle und wir behaupten, die Wahrheit zu besitzen? Das haben wir leider schon einmal gemacht, siehe Sozialismus (oder sogar Kommunismus).
Wer sich wirklich mit der Größe des Problems vertraut machen will, dem empfehle ich das Buch meines ehemaligen Arbeitskollegen Prof. Helmut Ullmann: “Reifeprüfung” (ISBN 97 83 83 70 46 458).
Dass die Grünen diese Positionen ohne Kompromisse vertreten, verstehe ich politisch. Sie sind mit der Antiatombewegung groß geworden. Ob ihre Urenkel das auch noch loben werden, ist ungewiss. Aber dass die Parteiführung der LINKEN diese Positionen auch so unbedingt aufgreift, halte ich nicht für richtig. Die LINKEN sollen nicht unbedingt Verfechter der Atomenergie sein. Jede Energieform, die in großer Menge für den Menschen eingesetzt wird, hat ihre Probleme, Belastungen und Gefährdungen, übrigens auch die regenerativen! Wir müssen es den zukünftigen Entwicklungen und Generationen überlassen, welche Auswahl sie treffen. Das beste, war wir heute tun können ist, alle Varianten parallel zu entwickeln, die einen reduzierenden Effekt für das Klimaproblem versprechen (und das tut die Atomenergie!). Das Verfechten einer speziellen Option ist doch keine politische Frage, höchstens eine wahlpolitische, also ob es gerade Stimmen verspricht. Und das sollte keinesfalls das Kriterium für eine strategische Position der LINKEN sein.
Wenn es dabei gelingt, mit den von allen akzeptierten Aufgaben der optimalen Energieeinsparung und der Entwicklung regenerativer Energieerzeugung die benötigte Energie der Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu erzeugen, dann kann man natürlich auch die Kernkraftwerke abschalten, aber bitte erst dann und nicht ohne das Erreichen der Ziele.
»Unter den einfachen Mitgliedern der Linken ist die Meinung nicht so eindeutig. Die Energie wird immer teurer.«
Alle Anstrengungen in Deutschland, und die große Zahl der Windräder wird ja von allen gesehen, haben bisher nicht dazu geführt, dass sich die Kohlendioxydemission in den vergangenen 10 Jahren in Deutschland verringert hätte, nein sie ist sogar weiter angestiegen. Kaum einer glaubt wirklich daran, dass ein Ausschalten der KKW ohne weiteren Anstieg des CO2-Ausstoßes und ohne Erhöhung der Strompreise möglich sein wird.
Warum dieser unbedingte Kampf gegeneinander. Auch ich bin für die unbedingte staatliche Förderung aller guten Entwicklungen der regenerativen Energieerzeugungsvarianten und natürlich der Energiesparmaßnahmen. Aber die Abschaltung der KKW sollte man erst vornehmen, wenn man die Entwicklungsziele auch erreicht hat und man es sich energetisch wirklich leisten kann. Sonst werden wir die Energie dann vielleicht aus Frankreich importieren müssen. Das ist doch eigentlich eine einfache Logik. Und auch bei den regenerativen Energieformen muß man die langfristigen Auswirkungen bedenken wie wir am Beispiel des Palmölanbaus in den Entwicklungsländern sehen können.
Bild: H. Kosin
