Der Gipfel steht vor der Tür

 

Foto:  Copyright Martin Liebermann

Vom 1. bis 12. Dezember 2008 wird die Welt auf die polnische Stadt Poznan richten. Die Verhandlungen über das Kyoto-Nachfolgeabkommen zur Reduktion von Treibhausgasen sind mit großen Erwartungen verknüpft. Polnische Organsiationen begleiten den UN-Klimagipfel mit eigenen Aktionen und rufen zu einem globalen Klimaaktionstag auf. Lukasz Markowski von den „Jungen Sozialdemokraten“, der Jugendorganisation der Partei „Polnische Sozialdemokratie“ (SdPl) und Mitglied von attac Polen, gehört zum polnischen Vorbereitungskreis. Mit ihm sprach Juliane Nagel (lavka.info) für diese Zeitung, Ausgabe Dezember 2008.

Im Dezember wird in der westpolnischen Stadt Poznan der UN-Klimagipfel stattfinden. Gibt es einen Grund, warum die UN gerade Poznan als Ort ausgewählt hat? Was wird im Rahmen des Gipfels geschehen?

Der anstehende so genannte COP 14 (Conference of the Parties) ist die 14. der jährlich stattfindenden Vertragsstaatenkonferenzen der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Gleichzeitig findet das nunmehr vierte Treffen der Mitglieder des Kyoto-Protokolls – MOP-4 (Meeting of the Parties) statt.
Dieses hoch angebundene Treffen – 189 Vertragsstaaten gibt es derzeit – wird über die Weiterentwicklung des Klimaschutzes verhandeln. Auf der Agenda steht ein Resümee des bisherigen Klimaschutzabkommens, des so genannten Kyoto-Protokolls. Vor allem aber soll es um das Kyoto-Nachfolge-Protokoll gehen, das im nächsten Jahr in Kopenhagen unterzeichnet werden wird und ab 2012 in Kraft treten könnte.

Der COP ist eines der wichtigsten politischen Ereignisse, die in Polen seit dem 2. Weltkrieg stattgefunden haben. Der polnische Staat hat einige Anstrengungen unternommen, um die Konferenz ins Land zu holen – natürlich aus Marketinggründen.
Bedauerlicherweise ist Polen dabei selbst einer der größten CO²-Produzenten. Durch Kohlekraftwerke wird 90% unserer Energie erzeugt. Der polnischen Regierung fallen – außer dem Bau von Atomkraftwerken – keine alternativen Konzepte ein. In unseren Augen ist dies der falsche Weg.

UmweltschützerInnen, GlobalisierungskritikerInnen und andere Gruppen und NGOs werden den Gipfel begleiten. Kannst du eure Kritik kurz umreißen? Welche Vorstellungen habt ihr in Hinblick auf das Post-Kyoto-Abkommen?

Wir werden vom 1. bis 12.12. in Poznan sein, um die Politikerinnen und Politiker daran zu erinnern, dass ihre Entscheidungen bedeutsam für uns alle sind. Wir wollen außerdem, dass die Öffentlichkeit Anteil am Thema des Gipfels nimmt. Und natürlich wollen wir die Erwartungen artikulieren, die wir an das neue Protokoll haben.
Die Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll gemacht worden, zeigen, dass die Repräsentanten der verschiedenen Staaten hautsächlich an ihre eigenen Interessen denken und das globale Umweltproblem ignorieren. Zudem waren Verpflichtungen zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen, wie sie im Kyoto-Protokoll festgeschrieben sind, gerade für die Industrieländer eher lächerlich.

Wir hoffen, dass die Teilnehmer des Gipfels und vor allem die Entscheidungsträger, die die vorherigen Schritte der UN in diesem Bereich blockiert haben, ihre ökonomischen Interessen diesmal hinten an stellen. Der Weltklimarat warnt davor, dass die Erdtemparatur sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um bis zu 6°C erhöhen wird. Das wird schwerwiegende Folgen haben: Der Meeresspiegel steigt stetig, Arten sterben aus und die menschliche Gesellschaft wird in vielerlei Hinsicht geschädigt.
Wenn nicht etwas Wirksames, Verbindliches und Gemeinsames getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, wird die gesamte Welt Schaden nehmen. Auch Großmächte, wie die USA und China – zwei der Hauptverursacher der CO²-Emissionen, die erheblich zur globalen Erwärmung beitragen – müssen hier Verantwortung zeigen.

Welche Organisationen bereiten die alternativen Aktionen in Poznan vor? Und was plant ihr konkret?

Für den 6. Dezember wird zu einem Globalen Klimaaktionstag aufgerufen, dazu sind alle gefragt, in ihren Ländern und Gemeinden aktiv zu werden. Die Aktionen in Poznan bereitet ein Bündnis vor, an dem die „Jungen Sozialisten“, die „Jungen Sozialdemokraten“, die Grünen 2004, die „Vereinigung für eine Bessere Welt“ und „Politische Kritik“ (KP) beteiligt sind. Wir erwarten in Poznan auch zahlreiche VertreterInnen von NGOs.
Wir organisieren Podiumsdiskussionen, Straßentheater, Filmvorführungen und viele andere Aktionen, mit denen wir hoffen, die Öffentlichkeit und PolitikerInnen zu erreichen. Die meisten Aktionen werden an diesem 6. Dezember stattfinden, in Poznan selbst ein großer Marsch. Wir hoffen, dass sich daran Menschen aus der ganzen Welt beteiligen werden. Detaillierte Informationen gibt’s im übrigen unter www.poznan2008.org. Aus Deutschland mobilisiert vor allem die BUND-Jugend nach Posznan, ansonsten gibt es leider recht wenig Interesse aus eurem Land. Info

Zeigt die polnische Öffentlichkeit Interesse an den Aktionen und generell am Thema Klimaschutz?

Die großen Medien spiegeln unsere Positionen weitestgehend nicht wieder. Das liegt klar an ihrer politischen Ausrichtung. Die meisten Zeitungen und auch der Rundfunk sind neoliberal geprägt und berichten entsprechend. Globalisierungskritische Perspektiven werden ausgeblendet. Die polnische Bevölkerung hat in der Breite also gar keine Möglichkeit, über unsere Aktionen informiert zu werden. Auch die großen Parteien, die Regierungspartei PO, die nationalistische PIS und die sozialdemokratische SLD widmen dem Klimaproblem keine besondere Aufmerksamkeit. Es gibt in Polen eine grüne Partei – Zieloni 2004 – aber die sind nicht im Parlament vertreten und kaum gesellschaftlich verankert. Dies betrifft auch kleine linke Parteien, wie die Sozialdemokratie Polens, die SDPL.
Das Problem ist zudem, dass die meisten Menschen in Polen kaum gesellschaftspolitisch sensibilisiert oder interessiert sind. Das betrifft explizit auch den Klimaschutz und ökologische Fragen im allgemeinen. Der Gipfel steht vor der Tür, aber das ist kaum bekannt. Das zeigt, wie wichtig unsere Aktivitäten sind und wie viel wir tun müssen, um einen wirklichen Wandel herbeizuführen.

Viel Erfolg für eure Aktionstage und auf weitsichtige Verhandlungen der Entscheidungsträger. Danke für das Gespräch.

„Klimakonferenz in Posen berät über Kyoto-Nachfolgeabkommen“ auf YouTube

Der Gipfel steht vor der Tür