Oh, Heuchelei…

Posted by on September 23, 2008 at 8:00 am.

Von Stahtis Soudias in der ### Ausgabe 9/2008

Helmut Schmidt

Oh Heuchelei,
die Du lebst nicht im Himmel,
sondern auf der Erde unter uns Menschen,
geheiligt sei Dein Name.

Weil wir als Parteimitglieder öffentliche Ämter und Mandate mit den Farben des politischen Gegners anstreben und uns im Nachhinein missverstanden fühlen, wenn wir verloren haben.
Weil wir mit aller Wucht gegen die politischen Ziele der eigenen Partei agitieren, ihre Glaubwürdigkeit in den Dreck ziehen, ihre Mitglieder des Stalinismus bezichtigen, aber von Diäten und Abfindungen aller Art, die wir der Partei verdanken, sehr gut leben wollen.
Weil wir unsere kleinen und kleinsten Latifundien und Emirate wie – kleine aber doch – Fürsten regieren wollen und lieber Wenige aber rein bleiben wollen anstatt groß und mächtig mit anderen Genossen zusammen.

Oh Heuchelei,
gepriesen sei Dein Name.

Weil wir auf Parteitagen mit Rabulistik und dogmatischer Logik unseren Genossen Tinte für Honig verkaufen wollen, als ob Sprachwissenschaft, Semantik und Dialektik noch nicht erfunden sind – oder Professuren!
Weil wir stolz auf unsere Vergangenheit sind, die Partei in Geiselhaft nehmen, jede Selbstachtung, Ethik und Moral in den Wind schreiben, damit wir uns nicht im Nachhinein schämen müssen.
Weil wir Papiere produzieren im Akkord, um ja im Gespräch zu bleiben, und finden oder kaufen Menschen und deren Gewissen, wir wollen ja wieder gewählt werden.

Oh Heuchelei,
gepriesen sei Dein Name,
komme Deine Regentschaft
und herrsche über uns Menschen.

Weil wir regierungsfähig werden wollen und Solidarität und Programmatik gegen ein bisschen Ministersessel hergeben, Staatssekretär macht es auch.
Weil wir unsere Fahne hergeben um in die Schlagzeilen zu kommen, Entscheidungen der Parteitage am nächsten Tag vergessen und für das Gegenteil antreten, Hauptsache wir kommen in die Öffentlichkeit, besser noch die europäische.

Amen!

3 Comments

  • Hans-Dieter Wege sagt:

    Liebe Leserinnen und Leser in Sachsen und um zu!

    Die nachfolgende Antwort im Auftrag der Bundeskanzlerin auf meine Anfrage, dass man doch 2004 seitens der Regierung versprach man würde die ca. 1 Million auf Sozialhilfe angewiesenen Menschen aus der “Dunkelheit der Sozialhilfe herausholen” passt zu der Überschrift dieses o.a. Artikels, wie die Faust auf`s Auge!

    Leben heute nicht bereit über 8 Millionen Menschen in der “Dunkelheit der Sozialhilfe”?

    Freundliche Grüße aus Oldenburg
    Hans-Dieter Wege, Gegner asozialer Politik

    Hier die Antwort im Auftrag der Bundeskanzlerin:

    Portrait Im Auftrag der Bundeskanzlerin
    Thema Soziales
    um 12:01 Antwort Antwort

    Re: Die Menschen aus der “Dunkelheit der Sozialhilfe” herausholen
    Sehr geehrter Herr Wege,
    vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.
    Ihre Frage lässt sich mit einem klaren „Nein“ beantworten: Die Hartz-Gesetze sind weder ausländer- oder familienfeindlich noch asozial. Der Regelsatz richtet sich nach dem objektiv ermittelten Bedarf und wird alle fünf Jahre im Rahmen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) umfassend überprüft. Zwischenzeitlich wird der Satz mit der jeweiligen Rentenerhöhung angepasst, die sich an der Entwicklung von Löhnen und Gehältern orientiert. Zum Juli 2008 ist der Regelsatz aufgrund der Rentenerhöhung um 1,1 Prozent von 347 (2007) auf 351 Euro gestiegen.
    Diese Leistungen werden als Pauschalbetrag ausgezahlt und umfassen den gesamten Lebensunterhalt – insbesondere den Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie (ohne Heizung), sowie in vertretbarem Umfang auch Beziehungen zur Umwelt und die Teilnahme am kulturellen Leben. Zusätzlich gezahlt werden die angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung.
    Die Entscheidung, ab 2005 Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammenzulegen, war und ist richtig. Hunderttausende erwerbsfähige Bürgerinnen und Bürger, die in der Sackgasse Sozialhilfe steckten, wurden wieder in die Arbeitsvermittlung aufgenommen. Sie haben neue Chancen auf Qualifizierung und Arbeit erhalten. Das Prinzip heißt Fördern und Fordern. Wer mit dem Geld der Steuerzahler in einer Notsituation Unterstützung erfährt, muss natürlich mithelfen, seine Situation zu verbessern.
    Der Erfolg der Arbeitsmarktreformen zeigt, dass sie richtig waren: Auch diejenigen, die lange ohne bezahlte Arbeit waren, finden inzwischen öfter und schneller eine Beschäftigung. Das gilt auch für Migrantinnen und Migranten. Unser Ziel ist es, dass so viele Arbeitslose oder Geringverdiener wie möglich ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Familien selbst bestreiten können. Der Staat hilft hierbei beispielsweise mit Lohnzuschüssen und einem Kinderzuschlag. Hilfebedürftige erhalten die notwendige Unterstützung des Staates. Das soziale Netz in Deutschland wirkt, was nicht zuletzt die hohe Anerkennung aus dem Ausland zeigt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr
    Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

  • Unternehmner sagt:

    Für menschenverachtend – zynische Bemerkungen der Obrigkeit (a la “Sollen sie doch Kuchen essen …”) gab es in den Jahren 1793/94 in Paris vom Volk noch die Guillotine zur Antwort.

    Die Hälse sind heute noch genauso dünn wie damals…
    Das sollte sich auch in Regierungskreisen herumgesprochen haben…

    U.

  • Unternehmner sagt:

    Oder anders ausgedrückt:

    Allzu straff gespannt, bricht der Bogen.

    U.

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