Eisenbahnerstreiks – Vorwärts und zurück

Posted by on Dezember 13, 2007 at 1:06 pm.

BILD»Der Wert des Menschen und seiner Arbeit muss in den Vordergrund treten.« Ralf Becker zu den Streiks in Frankreich und Deutschland

### 12/2007
Die französischen Eisenbahner sind wieder an die Arbeit gegangen. Die Streikfront bröckelte, auch der Rückhalt in der Bevölkerung, die Gewerkschaften waren verhandlungsbereit, Sarkozy setzt sich durch mit der Erhöhung der Rentenbeitragsjahre von 37,5 auf 40 Jahre für Mitarbeiter aus Staatsbetrieben. Spannend bleibt nur die Frage, welche Kompensationen die Gewerkschaften noch rausholen.

BILD

In Deutschland geht es „nur“ um einen gerechten Lohn für gute Arbeit. In beiden Ländern gibt es immer noch eine hohe Anzahl Arbeitsloser, das ist brach liegendes, „überflüssiges“ Arbeitsvermögen. Kämen diese in Arbeit, bräuchten andere nicht so viel arbeiten, in der Woche, im Monat, im Jahr – im Leben! Warum geht „Angleichung“ immer zu Lasten von Arbeitnehmern, die gegenüber anderen schon mehr Sozialstandards erkämpft hatten? Vor 12 Jahren versuchte die damalige französische Regierung schon einmal dieses Rentenprivileg abzuschaffen. Fast drei Wochen Ausstand und gesellschaftliche Agonie verhinderten dies schließlich. So arbeitet der neoliberale Zeitgeist inzwischen.

[audio:http://www.so-online.eu/so/tube/Frankreich2.mp3]

AUDIO 1: Lehrer, Beamte und Eisenbahner streiken. Angela Ulrich aus Paris
(SR, 20.11.2007)

[ALTERNATIV: DOWNLOAD, 807 KB, 2:17 MINUTEN][?]

[audio:http://www.so-online.eu/so/tube/Frankreich.mp3]

AUDIO 2: Altbekanntes Argumentationsmuster: »Sieg für Sarkozy. Streik-Ende macht Reformen in Frankreich möglich.« Von Burkhard Birke (DLF, 23.11.2007)

[ALTERNATIV: DOWNLOAD, 818 KB, 2:19 MINUTEN][?]

»Läuft Frankreich auf einen politischen
Generalstreik
zu?«

In Deutschland wurde schon das Gespenst des volkswirtschaftlichen Chaos nur wegen zwei Tagen befristeten Streiks an die Wand gemahlt. In Frankreich solidarisierten sich Bahn, U-Bahn, Bus und sogar viele Mitarbeiter der staatlichen Energiekonzerne EDF und GDF. Da ging dann wirklich nicht mehr viel. Theater, Kinos, Cafés, Diskotheken und Bars in Paris stöhnten wegen der ausbleibenden Besucher. Bei Post, Telekom, Lehrern, Richtern sowie in Krankenhäusern und selbst an der Oper wurden ebenfalls Streiks angekündigt. Sie richten sich gegen verschiedene Aspekte der Reformen, die Sarkozy für den öffentlichen Dienst angekündigt hat. Läuft Frankreich auf einen politischen Generalstreik zu?

»Die Rechtmäßigkeit dieses „Kampfmittels“ wurde durch Richterspruch erst in Frage, dann wiederhergestellt.«

In Deutschland ist zwar die Zustimmung in der Bevölkerung zum Bahnstreik nach wie vor hoch, aber hier streikt jede Gewerkschaft für ihre eigene Niederlage. Die Mitgliederzahlen aller Gewerkschaften haben sich hier in den letzten zwanzig Jahren etwa halbiert! Eine zu kleine Gewerkschaft kann aufgrund der besonderen Stellung ihrer Mitglieder im volkswirtschaftlichen Gesamtzusammenhang viel „Schaden“ anrichten. Was aber ist das für ein „Schaden“ in einer Überproduktionswirtschaft? Gerade Streiks in Infrastrukturunternehmen bringen Störungen volkswirtschaftlicher Abläufe und unvermeidlich „Folgeschäden“ in anderen Branchen. Deshalb wurde ja auch geklagt gegen die Streiks. Die Rechtmäßigkeit dieses „Kampfmittels“ wurde durch Richterspruch erst in Frage, dann wiederhergestellt. Letzteres war gut so, Artikel 9 des Grundgesetzes bleibt (Vorerst, denn Schäuble „arbeitet“ dran!) bestehen. Alle Gewerkschaftsbosse sollten schneller aus dem GdL-Kampf lernen.

»Der Bahnvorstand selbst“ sicherte sich inzwischen eine Gehaltssteigerung von 70%.«

Schaut man sich die Einkommensschere an, so sind die Forderungen mehr als berechtigt und eher bescheiden. Der Bahnvorstand selbst sicherte sich inzwischen eine Gehaltssteigerung von 70%. Dass zu ihrer Durchsetzung jedoch Auseinandersetzungsformen des 19. Jahrhunderts nötig sind, die das zwanzigste durchlebten und nun im einundzwanzigsten auch noch verstärkt wiederbelebt werden müssen, wirft doch wohl ausreichend Licht auf den Charakter dieser Wirtschaft wie dieses Staates.

Wir brauchen ein Mindestlohngesetz, gestaffelt auch bis zu Höchstverdienstgrenzen für Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte. Der Wert des Menschen und seiner Arbeit muss in den Vordergrund treten. Zu bekommen ist das aber nicht durch das gegenwärtige Regierungssystem, sondern nur von der Straße her. Nichts Neues also. Auch wenn der Lokführerstand komfortabler geworden ist, Tucholsky bleibt aktuell!

AUDIO 1: SR HÖRFUNKSTUDIO PARIS, 20.11.2007
AUDIO 2: DEUTSCHLANDFUNK, 23.11.2007

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8 Comments

  • Frank Weise sagt:

    Hallo Herr Becker,
    Sie schreiben:
    “……gibt es immer noch eine hohe Anzahl Arbeitsloser, das ist brach liegendes, „überflüssiges“ Arbeitsvermögen. Kämen diese in Arbeit, bräuchten andere nicht so viel arbeiten, in der Woche, im Monat, im Jahr – im Leben!”
    Leider geht das so einfach nicht, denn es geht ja nicht nur um die zu verteilende Arbeit, es geht um das Entgelt für diese Arbeit. Entweder Sie stellen jemanden zusätzlich halbtags ein und lassen einen bestehenden Arbeitsplatz dafür nur zur Hälfte arbeiten, da stellt sich die Frage, sollte dieser dann auch nur die Hälfte des bisherigen Arbeitslohnes erhalten?
    Wenn ja, dann wäre die Welt ja in Ordnung. Wenn nein, und dahin geht ja das Bestreben, dann verteuert sich natürlich das Produkt, oder die Ware die ich verkaufen will, also im vorliegenden Beispiel der Bahn, verteuert sich die Fahrkarte.
    Starke Gewerkschaften sind notwendiger denn je, aber so einfach wie Sie es sich hier machen, so einfach ist die Welt nun einmal auch wieder nicht.
    In einem allerdings gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht, die Schere zwischen den Vorstandsgehältern, den Managergehältern und den Löhnen und Gehältern der Arbeiter und Angestellten zu verkleinern, das sollte das eigentliche Ziel der gewerkschaftlichen Tätigkeit sein. Damit schafft man neben einem gewissen sozialen Frieden auch Luft für mögl. Neueinstellungen und Investitionen. Leider ist eine Spaltung der Bahngewerkschaften diesem Ziel eher abträglich.
    Freundlichst
    F.W.

  • Thomas Pietsch sagt:

    Tatsächlich scheinen Manager und Aktionäre erst beim Streik mitzubekommen, das der Mensch als Arbeiter nicht nur als ein Kostenfaktor in der GuV zu betrachten ist, sondern der Aktionär ohne einen Partner der für ihn und sich wackelt keinen Verkehr hat. Macht der Partner das nicht mehr mit, wird der Partner auf das übelste beschimpft, trotz das er vorher die ganze Zeit gewackelt hat. Ubs.
    Wer hat sich wann wie und wo aus der Solidargemeinschaft der Sippe entfernt?
    Mit Funktionsteilung und Sklavenhaltung begannen die Disenzen der Verteilung.
    Soweit können wir zurückgehen um den Sachverhalt genau zu beleuchten und finden dazu viele wissenschaftliche Aufzeichnungen gerade auch in der Bibel.

    “Der Wert des Menschen und seine Arbeit muß in den Vordergrung treten”???

    Ich halte diesen Untertitel als sehr bedenklich, weil er den Wert des Menschen mit seiner Arbeit in einen Topf schmeist und dem Bild über den Arbeitsbegriff Menschenentwürdigungen Vorschub leistet. Er ist ebend auch Grundgesetzbedenklich, weil die Würde des Menschen nicht von einem “Wert” oder von seiner “Arbeit” abhängig zu machen ist. Sie ist unantastbar.
    Die Übersetzung eines Pauluszitates, wie “Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen” kann überhaupt nicht stimmen. Den Begriff “Arbeit” gibt es so lange noch nicht. Auch steht das konträr gegenüber. Der Fakt, dass man ohne Essen stirbt und dann überhaupt nicht tätig sein kann ist richtig. Der Mensch wird nach dem SGB Begriff “Leistungsunfähig” gebohren und stirbt auch so. Das Primat aller Tätigkeit ist Leben und nicht das was dem konträr gegenübersteht.
    Der Wert für die Gesellschaft? Die Herstellung von “Landmienen und Tamagotschies (Zitat Katja Kipping)” ist Arbeit und hat keinen Nutzen sondern einen Schaden für die Gesellschaft. Ob Katja in der Tagung an der Ev. Akademie in Meißen nur Plasttamagotschies meint?
    Denken wir an die SLB? Trotz allem möchte ich nicht, dass der Ministerpräsident wegen einer Privathaftung auf 0 € gesetzt wird. Ich gehe noch weiter und plädiere auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von § 850c ZPO plus Sozialversicherungsbeiträge auch für ihn, damit ihm für den fiktiven Fall der Privathaftung monetär ein Leben in Würde möglich ist.

    Jesus empfahl einem Bauern, der sich beklagte, dass sein Ölbaum keine Früchte trägt, die Erde um die Wurzeln zu lockern (Freiheit, Luft und Lockerung damit er Zugang zu den Nährstoffen findet) und zu warten bevor er ein Urteil (AXT) fällt.

    Arbeit wahr ehrlicher Weise in der Geschichte richtig verpöhnt. Noch heute ist der Mensch sehr erfinderisch Mühsal aus seiner Welt zu entfernen. Das nennt sich oft technischer Fortschritt bei den einen und Kapitalanlagen bei den anderen.
    Als ich las wie Luther den Begriff “Beruf” prägte, war mir der Begriff “Verruf” im Hinterkopf. Verlangen nach Leistung wurde Verrufen. Die ausgewählten waren die Berufenen. Jemanden in Verruf zu bringen, heist ihn wohin zu verschieben?. Zu den Leistungserbringern? Im frühen Bürgertum waren diese Tätigkeiten wie Handarbeit (Porno) den abgehobenen verbotenverpöhnt. Der Sabat war der erste freie Tag welcher frei von Mühsal/Schöpfung frei sein soll.

    Der Lockführer hat mal Sabat gemacht. Und das wohl verdient. Er hat mal nichts getan, und wird dafür von wem erniedrigt? Die Ursachen liegen in dem Menschen tief begründet. Ein Verlangen auf ein glücklicheres Leben, Erholung, Besinnung, den kommunikative Austausch mit Anderen, welches ihm, den Lockfführer z.B. immer weniger vergönnt wurde.
    Das Primat ist das Leben und das Lohnenswerte ist im Leben das Glück und die Muße es frei von erheblichen Zwängen nebeneinander und solidarisch gestaltend zu genießen.
    Der gesellschaftliche Solidarpackt ist von denen aufgekündigt, die sich in ihrer Unvermessenheit Reichtümer und Macht über Menschen in so erheblichen Disenzen anmaßen. Neuste Hinweise zum Arbeitsleben, Würde, Freizeit, Werte etc. würde ich ggf. bitten von der Redaktion später anzuheften, da sicher von den Autoren eine Erlaubnis vorliegen sollte.
    Da werden die sogenannten christlichen Parteien um die biblischen Wertevorstellungen gerade bezüglich des Menschen geistig noch zu kämpfen haben.

    Th.P.

  • klaus horn sagt:

    Tucholski bleibt aktuell, schreiben Sie, Ralf Becker. Das ist richtig. Nur wie? Kurtchen hat die Deutschen beobachtet: Immer erst eine Katastrophe veranlasst, Teile des Michel´ zum Nachdenken. 1918 erlebte er. 1945 und das was sich nach 1989, aktuell heute im DEM DEUTSCHEN VOLKE zum u.a. Arbeitnehmer-Entsendegesetz so tut, erlebte er nicht mehr. Andre´ Gros Meinung wurde vor kurzem in ### veröffentlicht:
    Das Proletariat ließ sich korrumpieren…Der Konsum! Jetzt ist die Straße dran? Gut. Wenn Kurtchen aktuell ist dann hören wir ihm zu:
    “Die Zahl der deutschen Kriegsdenkmäler zur Zahl der deutschen Heine-Denkmäler verhält sich hierzulande wie die Macht zum Geist”; “Mutter Germania gebahr in legitimer Ehe mit dem Geist der Zeit drei Söhne: den Konfektionsreisenden, den Oberlehrer und den Radfahrer”; “Was aber macht der Mann, der aus Deutschland stammte, zuallererst? Er macht sich wichtig”. Frage: Das ist heute nicht mehr feststellbar? Wenn nicht, dann kann Kurtchen nachladen! Schließlich könnte man ihn fortsetzen…bis zu seiner traurigen Entscheidung 1937, wegen der Lämmer hinter Adolf hinterher zulaufen …
    Damit möchte ich nicht Ihre Gedanken zu ´was wir brauchen´ ausdrücklich nicht in Abrede stellen. Nur, Tucholski würde sich sicherlich im Nachhinein freuen, wenn… Zur Zeit dürfte er nur angekommen sein bei: Die Basis jeder gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.”
    Gruß!
    Klaus Horn

  • unternehmer sagt:

    Wir können hier diskutieren wie wir wollen – gegen den Tucholski sind wir – AUCH HEUTE NOCH – nur Zwerge.

    Meint

    U.

  • Thomas Pietsch sagt:

    Aber “U”,
    bitte keine Komplexe oder Minderwert einreden. Resignierung zu verbreiten hilft uns doch gemeinsam nichts. Auch wenn da ein paar Pappenheimer in der Regierung mit ihren Strippenzieher noch an ihren Stühlen kleben.
    Es zeugt doch nicht von Größe, wenn sich das Pinokiokabinet von Sachsen nur mit dem Vertuschen und Unterdrücken von Fakten über Wasser halten kann.
    Da blödelt ein Justizminister im Parlament komisches Zeug vom Jugendstrafvollzug und gehört einer Regierung an, die geltendes Recht im Parlament mit Füßen tritt.
    Da wurde dieser schon im Jugendstrafvollzugsgesetz auf rechtsfehlerhafte Inhalte zum Bundes- und Verfassungsrecht hingewiesen. Nein, in Sachsen rechtskonträrer Text für Willkürmaßnahmen. Wer soll das noch lesen.
    Die Eltern in Sachsen haben eine schwere Bürde auferlegt bekommen. Die Erziehung der Kinder zur Demokratie, dem Recht und zur Rechtsstaatlichkeit unter diesen Bedingungen auszuüben. Die Wirkung der Landesregierung und ihrer Behörden ist derzeit als Vorbild fürchterlich ungeeignet.
    Viele die sich “Oben” glauben, müßten sich einen Hocker holen, um mit dem Durchschnittssachsen auf Augenhöhe zu stehen.

    Pers. Größe sieht bei mir ebend anders aus.

    “SO” denke ich.

    Th.P.

  • unternehmer sagt:

    Hier gehts aber nicht um “Größe”, sondern um die juristisch verbindliche Rechtswirklichkeit unseres Landes. Und deren Weichenstellungen stehen derzeit ohne weiteres erkennbar auf:”WEG vom Rechtsstaat!”

    Das Kriterium “Größe” ist in diesem Zusammenhange völlig irrelevant und deshalb demagogisch!

    Hier geht es nicht um Größe, sondern um Grundrechte der Bevölkerung im Lebensalltag!
    Hier geht es nicht um Größe, sondern um zynisch zerstörte Menschenwürde der gesamten Bevölkerung – denn nur die Unintegeren zucken mit den Achseln, wenn man sie vorauseilend und pauschal als Straftäter behandelt, wie diese “Gesetze” es jetzt vorschreiben.
    Diese Bespitzelungsgesetze zielen, neben der totalen Kontrolle der Bevölkerung (als aufmerksamer Deutscher erkennt man diese Politik schnell wieder), gleichzeitig auf die Untergrabung der Menschenwürde jedes einzelnen Mitgliedes des deutschen Volkes, auf die Zerstörung der Persönlichkeit und des Durchsetzungswillens jedes einzelnen, DENN:
    Sie erziehen zu zynischer und schizophrener Gleichgültigkeit des Individuums gegenüber seiner eigenen Menschenwürde und Integrität und zu Duldung von pauschaler Herabwürdigung bis zur Selbstaufgabe!

    Diese Politik der schleichenden moralischen ideologischen Zerrüttung der Bevölkerung (“Hast du erst den Ruf ruiniert, so kannst du leben ungeniert.” sagt ein zynisches Volkssprichwort) ist einem Feinde des deutschen Volkes angemessen, nicht aber seiner eigenen Regierung! Oder ist diese Unterscheidung mittlerweile schon unangebracht???

    Ich jedenfalls verbitte mir GEGENÜBER DEM GESETZGEBER, daß dieser mich per Gesetz unter Pauschalverdacht stellt und behandelt, als wäre ich ein Krimineller, den man ständig überwachen müßte und der mich für den Rest meiner Tage unter das Trommelfeuer ständiger grundloser (Überwachungs-)Angriffe seitens der Judikative und Exekutive zu unterwerfen sucht.
    Wer noch einen vagen Begriff von Freiheit in seinem Herzen trägt, sollte sich mir anschließen!

    Die meisten meiner Landsleute scheinen aber schon zu abgestumpft (oder zu feige), um bereit zu sein, den gesetzgeberischen Angriff auf ihre Menschenwürde mit der gebotenen Härte und ein für allemal zurückzuweisen.
    Ein Volk aber, das seine Rechte nicht auch PRAKTISCH wahrnimmt, verliert diese – das ist eine jahrtausendealte historische Erfahrung.
    Und genau an diesem Punkte steht nun auch das deutsche Volk zum wiederholten Male!

    Ich glaube nicht, daß ich hier “Resignierung” verbreite – im Gegenteil, denn mein Hinweis auf Artikel 20, Absatz 4 des Grundgesetzes zeigt einen Lösungsweg! Und zwar einen verfassungsrechtlich sauberen.

    Oder sind wir schon soweit, daß die forschen “Klassenkämpfer” von einst, sich heute nicht einmal mehr trauen, von ihren verfassungsmäßigen Grundrechten PRAKTISCHEN GEBRAUCH zu machen?

    Glauben sie am Ende selbst, das Grundgesetz sei nur in wertloser Papiertiger, den man nicht mehr ernst nehmen müsse/dürfe?
    Das wäre fatal für die Demokratie und die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit!
    Daß dies im Bereich des Rechtswesens von vielen “Profis” – trotz anderslautender Lippenbekenntnisse bereits seit Jahren zwar so gesehen und PRAKTIZIERT wird (nie werde ich die zynisch grinsenden Gesichter vergessen, als ich mich in einem Sorgerechts-Verfahren auf die Menschenrechte (die ja auch für Kinder gelten sollten) berufen wollte!) , mußte ich in den letzten 15 Jahren am eigenen Leibe sehr schmerzhaft erfahren – aber sollten sich deshalb, weil er unter abgehobenen Zynikern Mode ist, auch die Linken derartigen Zynismus zu eigen machen?

    “Wem nützt das?” fragte Brecht

    Und fragt

    U.

  • IGR sagt:

    1. “Wir brauchen ein Mindestlohngesetz, gestaffelt auch bis zu Höchstverdienstgrenzen für Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte. Der Wert des Menschen und seiner Arbeit muss in den Vordergrund treten.” schreibt Ralf.

    2. Frank schreibt:
    “Leider ist eine Spaltung der Bahngewerkschaften diesem Ziel eher abträglich.”

    Es ist schon beeindruckend, wie wir problemlos und völlig ohne Argwohn vermittelt bekommen, es sei legitim, unterschiedliche Arbeitsgrad- also Arbeitswertvorstellungen anzusetzen. Der Höchstlohn müßte da aufhören, wo ein Mensch 12 Stunden im Schweiße seines Angesichts gearbeitet hat. Konkret rechtfertigt doch das juristische Gefüge der Bahn gar kein Jahresgehalt Mehdorns von 3,6 Mio Euro. Was will dieser Mann denn falsch planen, so daß man meinen könnte, er trüge so viel konkrete Verantwortung, wie ein Lokführer? Wo leigt angesichts der Heerscharen seiner Zuarbeiter (innen) denn sein Risiko, das – hätte er eins überhaupt – er nicht nach “unten” verschieben kann?

    Er ist besser gebildet? Er ist mehr genervt? Er heißt Mehdorn und kennt ein paar Bonzen? Was wäre das Argument für solche exorbitanten Verdienste?
    Schön – lassen wir ihm sein Gehalt. Was aber macht dann den Lokführer (Bahnangestellten) zu einem niedriger eingestuften Verdiener? Solange diese Fragen trotz der beschworenen Staffelung im Text nicht klar beantwortet oder ausgeschlossen sind, sind auch solche Schlußfolgerungen kaum glaubwürdig.

    Zur Spaltung der Gewerkschaften und diese sei einem Ziel abträglich.
    Das ist schlichtweg falsch und es läßt sich am Beispiel ver.di belegen. Die große Gewerkschaft hat im Telekomstreik nichts bewegt (schon viel bewegt, aber nichts erreicht). Ihre Vertreter machen im Gefüge einer Aktionärsversammlung nicht einmal eine beratende Stimme aus. Wenn also Verhandlungen scheitern, dann heißt es Arbeitskampf. Basta. Dafür ist er doch schliesslich da.

    Und um es richtig zu stellen: Die bisherige Billigung der Transnet-Verhandlungen durch die GDL kann nicht ewig Bestand haben, nur weil sie als schweigende Übereinkunft gleichzeitig die ruhige Lage begünstigt hat. Auf diese Weise würde gelten, daß Konflikte überall und grundsätzlich vermeidbar sind, indem sich eine Seite zwei oder mehr anderen unterwirft.

    Die kleine GDL hat Hochachtung verdient. Es wäre nur logisch, wenn Transnet-Hansen endlich ohne private taktische Erwägungen seine Gewerkschaft dahin bewegen könnte. Aber er braucht das Machtspiel, noch besser als Schell sein zu müssen, sich als geschickter darzustellen. Warum muß denn die Einheit der Gewerkschaften (Einheitsgewerkschaft) den flachen Lohntarif anwählen, um dann auch moralisch “gut, besser” etc. zu sein?

    Das erscheint mir unbegründet.

    IGR

  • Thomas Pietsch sagt:

    Hallo “U”,
    sicher gibt es nur eine unterschiedliche Auffassung vom Begriff der pers. Größe.
    Tucholsky hätte es sicher gerne gahabt, wenn man an ihn herantritt, sich öffnet, es wirken lässt, überlegt und versteht.
    “SO” spricht er auch noch heute zu einer großen Breite.
    Ebend kein abgehobener Punktstrahler im Märchenwald.

    Nur zu lächerlich der Protest der Manager in der Presse gegen die Einkommenskritik, “Sie müssen den Karren ziehen”. Der Stillstand bei der Bahn war ja nun wirklich kein Produkt von Vorstandsurlaub.

    Thomas Pietsch

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