Sachsen ohne Landesbank

Posted by on Oktober 4, 2007 at 2:00 pm.

BILDEine Chronologie des Untergangs. Tilo Wirtz zu den Hintergründen des Debakels

### 10/2007
Skeptiker warnten seit Jahren, Rauch gab es seit dem Frühjahr und Mitte Juli brach das Feuer offen aus: die Blase auf dem Immobilienmarkt in den USA platzte. Nach dem Jahr 2000 waren dort die Immobilienpreise stark angestiegen. Die Zinsen waren niedrig. Billiges Geld stand zur Verfügung. Schließlich wurden Kredite auf Immobilien ohne den Nachweis eines geregelten Einkommens oder Überprüfung der Angaben auf dem Kreditantrag ausgereicht. Der Traum vom eigenem Haus wurde auch für Menschen Wirklichkeit, die sich das eigentlich nicht leisten konnten. Die Vermittler gingen kein Risiko ein. Ihre Provision wurde ja vom Kredit abgezogen und die Forderungen verbrieft, gute mit schlechten Risiken gemischt und so erträglich verdünnt auf dem Kapitalmarkt weiter verkauft.

»Die Sachsen LB war … im Bermudadreieck von Gier, Markgläubigkeit und fehlender, mangelnder oder versagender Kontrolle untergegangen.«

Durch den Anstieg der Nachfrage nach Immobilien stieg aber der Wert aller Häuser an. Dies erklärt, warum die durchschnittlichen Amerikaner seit Jahren eine negative Sparrate haben, d. h. mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen: selbst wenn das Eigenheim nicht abbezahlt war, konnten die Besitzer in Folge des steigenden Marktwertes ihrer Häuser noch mehr Kredite darauf aufnehmen und das so zur Verfügung stehende Geld in den Konsum stecken, Autos, elektronische Geräte kaufen oder schlicht ihre Lebenshaltung finanzieren.

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Doch irgend wann war der Immobilienmarkt gesättigt. Schließlich wechselten nicht nur vorhandene Immobilien den Besitzer, der Bestand wurde durch Neubau vergrößert. Und als das Angebot die Nachfrage überstieg, mussten die Immobilienpreise stagnieren oder sinken.

»In diesem Spielcasino hatte die Sachsen LB über eine Tochter in Dublin kräftig mitgespielt.«

In diesem Augenblick schlug aber das Pendel zurück. Denn mehr und mehr Schuldner mit schlechter Bonität konnten ihre Raten nicht mehr bezahlen und ihre Häuser gerieten in die Zwangsversteigerung. Dadurch erhöhte sich bei sinkender Nachfrage das Angebot und die Preise gerieten noch mehr unter Druck. Bei den Zwangsversteigerungen gingen dann die Häuser unter den einzutreibenden Forderungen über den Tisch, auf der Differenz blieben die Gläubiger sitzen, einige Hypothekenbanken gingen pleite. Für Baufirmen, Hypothekenvermittler und Immobilienmakler brechen schlechte Zeiten an, auch die gute Binnennachfrage in den USA wird leiden. Es handelt sich also nicht um eine Störung auf dem Finanzmarkt, die Realwirtschaft wird leiden.

In diesem Spielcasino hatte die Sachsen LB über eine Tochter in Dublin kräftig mitgespielt. Sie hatte in großem Maße verbriefte Kredite aus dem Immobilienmarkt aufgekauft. Bezahlt hatte sie mit Geld aus kurz laufenden Anleihen, die geringer verzinst waren als die aufgekauften Kredite. Der Gewinn resultierte aus der Differenz zwischen den höheren Zinsen auf lang gegenüber kurz laufende Anleihen. Nur eins musste dabei ständig gelingen: die kurz laufenden Anleihen, mit denen die lang laufenden Forderungen finanziert wurden, mussten ständig umgeschuldet werden.

»…für die Sachsen LB greift die Gewährträgerhaftung und damit zahlt für Verluste der sächsische Steuerzahler, und zwar in unbegrenzter Höhe.«

Nachdem aber die Immobilienpreise sanken, reichten sie als Sicherheit nicht mehr aus. Niemand war mehr bereit, der Tochter der Sachsen LB Geld zu leihen, da der tatsächliche Wert der aufgekauften Forderungen angezweifelt wurde. An dieser Stelle war das Geschäftsmodell Schulden mit Schulden zu finanzieren und daraus Gewinn zu ziehen gescheitert. Der Sparkassenverbund musste Geld zur Verfügung stellen, um die Refinanzierung zu sichern, die Sachsen LB schließlich an die Landesbank Baden-Württemberg notverkauft werden.

Die Sachsen LB war damit im Bermudadreieck von Gier, Markgläubigkeit und fehlender, mangelnder oder versagender Kontrolle untergegangen. Durch die zur Verfügung gestellte Kreditlinie und den Verkauf ist derzeit nur die Refinanzierung der auf Pump getätigten Geschäfte gesichert, für noch eintretende Verluste aus faulen Krediten steht die LBBW nicht ein. Inzwischen wird zwar betont, dass die Sparkasseneinlagen und auch die zur Verfügung gestellte Kreditlinie für die Sachsen LB sicher sind. Das ist aber kein Kunststück. Denn für die Sachsen LB greift die Gewährträgerhaftung und damit zahlt für Verluste der sächsische Steuerzahler, und zwar in unbegrenzter Höhe.

Das wahre Ausmaß des Schadens wird erst nach Beendigung des Engagements in Dublin bezifferbar sein, wenn die aufgekauften Kredite entweder abgezahlt, die Sicherheiten verwertet oder alles im Paket weiter verkauft werden konnte. Konsequenzen bisher: der Finanzminister und vier Bankvorstände traten zurück oder wurden entlassen.

TITELBILDMONTAGE & ÜBERSICHT: TS FÜR ### ONLINE
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2 Comments

  • Thomas Pietsch sagt:

    Es ist schon die Frechheit in Permanenz,
    was sich auch heute der Sächsische Landtag von der Regierung und dem Ministerpräsidenten bieten lassen mußte.
    Irgend welche Hirngespinste, und wieder mit irgend welchen Spekulationen den Schaden mit nur spekulierten Verkaufserlösen durch Spekulationen verringern zu wollen. Gibt es für solche Spielarten ein Krankheitsbild und Terrapeuten?
    Man, hätte zum Verkauf Verträge gezeichnet, die man aber den Parlament nicht vorlegen kann. Herr verhandlungsanwesender Finanzminister sei noch in Frankfurt wegen Nebel nicht abgehoben. Man möchte den Abgeordneten Handzettel und extern beauftragte Gutachten von Prüfern vorlegen. Sicher ein Softwarekontrolleur oder jemand mit gezielten Auftrag zur Verteidigung für noch mehr Nebel.
    Irgendwie erscheint mir der Verdacht im Raum zu stehen, die Mehrzahl der Abgeordneten benötigt diese Regierung um sich vorsätzlich an der Nase herumführen zu lassen. Da himmelt man parlamentarische Entscheidungen aus Sachverstand an, und lässt sich weiter von der Regierung durch die Unterdrückung wahrer und vollständiger Tatsachen an der Nase herumführen, damit diese Tathandlungen zur Abstimmung auch im Parlament zum tragen kommen.
    Jede irrtümliche Abstimmung zum Sachverhalt im Parlament auf der Grundlage der Vorspielung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen ist ein Betrug an der Demokratie im Freistaat. Wie lange möchten die Abgeordneten des Hauses von SPD, CDU FDP und Grüne das Spiel mit Duldung und mangels Handlung das noch fördern?
    Häuser in denen irregeführtgewordene Menschen sich sammeln, haben den Namen Parlament oder Staatsministerium doch wirklich nicht mehr verdient.
    Die Krokodielstränen der FDP, dass man die vorläufig angenommenen 2.750.000.000 € , 560 Unternehmen hätte geben können, spiegelt doch wirklich, was in Sachsen los ist.
    Erstmal handelt es sich um Geld welches garnicht vorhanden ist, sondern einen nur fiktiv behaupteten und künftigen Sofortschuldfass in dem der Boden fehlt. Zum weiteren sind dafür Zinsen zu zahlen. Und zum dritten spielt bei der FDP der Posten Armut im Gehirn offensichtlich gar keine Rolle. Man feiert bei denen die “Stunde der Patrioten” in der Rolle eines Strafverteidigers.
    Kein Ministerpräsident wird die Suppe auslöffeln wie immer wieder behauptet wird.
    Den Gürtel bekommen die sächsischen Bürger um den Hals und sollen bis zum Umfallen wackeln was das Zeug hält.
    Getreu dem Motto des Justizministers: “Morgens aufstehen und Abens müde ins Bett”. Wer das nicht kapiert, ist in den seinen Augen offensichtlich krimminell.

    Das es bei einer solchen Einstellung mit der Demografie im Schlafzimmer nicht klappt, hätte der Minister besser dort behalten können. Demografisches Abwärts und Abwanderungen? Der letzte macht das Licht aus? Gab es schon mal. Schlafen wenn es um sein Fallussymbol die Justiz geht, kennen wir schon aus den Sachsenfilz, in dem ebendfalls Beleg und Beweismaterial dem Parlament vorenthalten wird.

    Der jetzige Zustand ermöglicht den Politikern von SPD/CDU und FDP genau die Politik zu begründen, die diese schon immer wollten.

    Verscherblung durch Privatisierung der staatlichen Einrichtung wegen erzeugtem Geldmangel zur Schmälerung des Einflusses vom Parlament.
    Verweigerung sozialer Politik im Parlament.
    Verschärfung von Einsparungsmaßnahmen bei dem Bürger.
    Verschiebung der Restmittel in die privatwirtschaftlichen Bereiche, wegen vorgeschobener Erwirtschaftung von Steuermitteln trotz permanenter Steuersenkung bei Unternehmungen auf Bundesseite.
    etc.pp..

    Mal sehen, was bald alles mit fehlenden Mitteln von den Verursacherparteien in Regierungsverantwortung begründet wird. Die Liste wird lang, der Gürtel um den Hals der Sachsen enger. Monetäre Brandflächen in sämtlichen Gebieten.
    Ebend eine der perwersesten Arten die Abgeordneten im Parlament in Ihrer Entscheidungsfindung für Jahrzehnte einzuschränken. Wie ein schlüssiges Konzept welches in Dresden schon funktionierte.
    Wagner reißt Löcher und Roßberg packt die WOBA rein. So feiert man sich dann als patriotische Ritter auf Kosten der Allgemeinkeit.
    Das sind Wirtschaftskompetenzen von CDU, SPD und FDP.
    Als erste Jahreszinsrate möchte die CDU die Waldschlößchenbrücke unter den Weihnachtsbaum ihres Börsenrollett packen. Oder verbuddelt man die Kohle jetzt besser unter die Elbe?
    Erwartungsgemäß werden sicher auch wie beim BiKo- Untersuchungsausschuß diverse Beweismittel wegverschwundenunerreichbarverlohrengegangenwerdenmüssen. Herr Wegesser hat sich schon mal als Zeuge angeboten. Ob er schon herausbekommen hat, wer Dokumente für die parlamentarische Kontrolle geschwärzt oder geweißt hat?
    Frau Bundeskanzlerin und die Politik von mehr Ehrlichkeit? Mal sehen, was Ihr Kanzleramtschef noch für einen Beitrag leistet.

    Das nach einer Deflation, die wir ja hatten, als estes die Immobilien krachen und es dann im freien Fall bergab geht, steht in jedem Geschichtsbuch. Das nun Gold statt Brot gekauft wird, ist nicht anzunehmen. An Beidem fehlt es. Gold aus Ethik und Moral im Staatsaparat, sowie angemessenen Futter für immer mehr Menschen. Ihre Diäten haben sie sich nochmal richtig hochgeschraubt. Man hätte wohl besser den Flaschenpfand statt Richtergehälter als Meßlatte für das Einkommen nehmen dürfen. Herr Trettin hätte das damals mit den Pfand und der Angemessenheit schon geregelt.

    Es wird kalt

    Th.P.

  • Siggi40 sagt:

    In Sachsen muß man sich noch warm anziehen.
    Bei der SachsenLB geht es um Verluste von ca. 300 Milliarden €, für die der sächsische Steuerzahler haftet.

    IP/08/314, Brüssel, den 27. Februar 2008 (bei google als Suchbegriff eingeben u. mit Adobe Reader downloaden).
    … eine Woche später erlitt die SachsenLB aufgrund von Einlagen in zwei Hedge-Fonds weitere Verluste in Höhe von 250 Milliarden Euro.

    http://leipzig.softwiki.de/index.php5/SachsenLB
    “Für die Altrisiken wird jedoch weder die LBBW noch das Land Baden-Württemberg einstehen. Dafür muss allein Sachsen gerade stehen”.

    ein Auszug aus dem Artikel:
    Sachsen bekommt nur 328 Mill. Euro für die SachsenLB und damit 500 Mill. Euro weniger als der Buchwert der Bank ausmacht. Diese Differenz stellt Sachsen als frisches Kapital zur Verfügung.
    Der mit der LBBW ausgehandelte Schirm sieht so aus: Von 43 Mrd. Euro im Portfolio der alten SachsenLB bleiben 26 Mrd. Euro in der Verwaltung der neuen SachsenLB und damit der neuen Mutter LBBW. Weitere 17.5 Mrd. Euro – die kritischen Fonds – werden in eine außerbilanzielle Zweckgesellschaft überführt, die nicht von der LBBW konsolidiert wird.
    Neben den drei bisher genannten großen Zweckgesellschaften gibt es weitere 10 außerbilanziell geführte Zweckgesellschaften der SachsenLB, deren gesamte Risiken sich auf 43 bis 65 Mrd. Euro summieren. In 13 außerbilanziellen “Zweckgesellschaften” stecken bis zu 46 Mrd. Euro, insgesamt stecken 65 Mrd. Euro in riskanten Geschäften.
    Auf Grund der Umbewertung der Kredite sind deutliche Wertberichtigungen erforderlich, etwa 7.5 Mrd. Euro allein für die drei zentralen Fonds.

    http://www.focus.de/finanzen/banken/bankenkrise_aid_264661.html
    Zum Stichtag 31. Dezember 2007 musste die Bank den Wert ihrer Finanzanlagen um 1,8 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Dazu kämen „negative Marktwertänderungen“ in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bei außerbilanziellen Geschäften und Fondsinvestitionen der Bank, hieß es.

    Vielleicht besser so, wenn unsere Parlamentarier nicht alles wissen.

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