oder: »Wenn wir uns nicht selbst befreien, bleibt es für uns ohne Folgen.« (Peter Weiss) – Mario Candeias exklusiv für ###
### 5/2007
Seit einer Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung [DOWNLOAD →] ist »das Prekariat« endlich auch in Politik und Medien angekommen. Nachdem es lange nur ein unsichtbares Schattendasein als »Nicht-Klasse an sich« geführt hat, von sich selbst nichts zu wissen schien, nur in linken Diskursen herum geisterte und hier und da in den französischen Vorstädten auftauchte, ist es nun ans Licht gezerrt worden. Das Prekariat, das sind die »Abgehängten«, das ist die »Unterschicht«, derer man sich annehmen muss, meint der wohlmeinende Sozialdemokrat. Der weniger wohlmeinende Herr Müntefering will davon nichts wissen, eine Unterschicht gebe es nicht, weil die ihn nicht wählt, höchstens die Mittelschicht. Und Klassenunterschiede, die gibt es nur bei PISA. Wenden wir uns lieber den »Leistungsträgern« in der Gesellschaft zu, sekundierte der SPD-Vorsitzende Beck, weil: das Prekariat sei nicht »aufstiegswillig«.
Genutzt hat das Abwiegeln wenig. Es lässt sich nicht mehr verdrängen, dass es so etwas wie ein »Unten« in der Gesellschaft gibt, wo sich Prekarität ausbreitet. »Prekär« bedeutet im Lateinischen »unsicher«, aber auch »aus Gnade gewährt« – und so fühlt es sich auch an: Wer keinen Job hat erlebt, wie ein soziales Recht auf ein garantiertes Existenzminimum im Rahmen von Hartz IV zu einer wohltätigen, paternalistischen Gewährung von Hilfe umdefiniert wird, die an Wohlverhalten und zu erfüllende Pflichten gebunden wird. Wer einen Job hat, muss dankbar sein, überhaupt einen zu haben, auch wenn das Einkommen kaum zum Leben ausreicht.

MARIO CANDEIAS IST POLITOLOGE AN DER UNIVERSITÄT JENA.
IN ### 10/2006 ERSCHIEN EIN INTERVIEW MIT IHM. FOTO: ###
[GEHE ZUM INTERVIEW →] [VERGRÖSSERN →]
Doch prekär meint nicht nur Arbeits- und Lebensverhältnisse ohne existenzsicherndes Einkommen. Es geht auch um die mangelnde Anerkennung der Arbeit und der Person, um betriebliche und soziale Isolierung, die Zerstörung von Sozialkontakten, mangelnden Sozialversicherungsschutz und fehlende Qualifizierungsmöglichkeiten. Besonders schmerzlich ist die längerfristige Planungsunsicherheit für den eigenen Lebensentwurf, die z.B. die Familiengründung erschwert. Bei Migranten wirkt die Illegalisierung als zusätzliche Entrechtung.
Prekarisierung ist längst kein Problem einiger weniger mehr. Es betrifft illegalisierte migrantische Putzfrauen, Sicherheitskräfte mit weniger als 4 EUR Stundenlohn, die befristete Kassiererin bei Lidl, wie den gut ausgebildeten ostdeutschen Leiharbeiter im Ruhrgebiet, oder den (schein)selbständigen Fernfahrer. Aber es betrifft eben auch die (zwangs)mobilen Kurzzeit-Projektarbeiter in der IT-Industrie, freie Journalistinnen, selbständige Kulturschaffende oder Masseure, befristet beschäftigte Sozialarbeiterinnen und Wissenschaftler, die Bibliothekarin mit 1-EUR-Job oder das Computer-Proletariat in den Call-Centern: Formen der Flexploitation[1], der flexiblen Ausbeutung im neoliberalen Kapitalismus. Der Unsicherheit unterworfen sind auch die Karrieren schlecht oder nicht bezahlter Praktika, Hartz IV-Empfänger und natürlich alle jene, die schon immer prekär leben mussten, Sozialhilfeempfänger, nicht anerkannte Fluchtmigranten, Obdachlose.
Über 36% der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten für Niedriglöhne (weniger als zwei Drittel des Durchschnittseinkommens), davon gehören über 7 Mio. zu den lohnarbeitenden Armen, den working poor, die weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens erhalten – die Hälfte davon ist vollerwerbstätig. Der Anteil »regulärer« Beschäftigungsformen ist von ehemals über 80% (Mitte der 1970er Jahre) auf weniger als 63% zurück gegangen, große Bereiche des Niedriglohnes noch nicht eingerechnet, weil sie formal oft der unbefristeten Vollbeschäftigung entsprechen, nur dass man davon eben nicht leben kann. Zudem werden schon jetzt über zwei Drittel aller Jobs nur noch befristet vergeben. Entsprechend verlaufen drei Viertel der Erwerbsverläufe diskontinuierlich, also wechselnd zwischen Arbeit, Phasen der Arbeitslosigkeit, befristeter Beschäftigung, arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, prekärer Selbstständigkeit, Sozialhilfe, Arbeit etc. Zugespitzt könnte man also sagen, das neue Normalarbeitsverhältnis sind die prekären Beschäftigungsverhältnisse.

PREKÄRE RANDBELEGSCHAFTEN: IHRE PRÄSENZ WIRKT DISZIPLINIEREND.
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Doch die massive Ausweitung flexibilisierter, oft prekärer Teilzeit-Arbeitsverhältnisse ermöglichte für viele Frauen oder (illegalisierte) Migranten überhaupt erst die Teilhabe an der Lohnarbeit und ihrer Verbindung mit den notwendigen Reproduktionsarbeiten. Darüber hinaus sind es nicht nur die Hochqualifizierten, die das Ende des »nine-to-five-Trotts«[2] begrüßen. Die Menschen wissen, dass das alte Normalarbeitsverhältnis kaum zurück zu haben ist, viele streben es auch nicht mehr an, denn auch in den prekärsten Verhältnissen finden sich Momente erweiterter Selbstbestimmung bzw. des Selbstmanagements und von Möglichkeiten andersartiger Lebensführung – meist allerdings verbunden mit vertiefter Unterwerfung. Vor allem für die jüngeren Generationen entspricht dies auch einer Befreiung von jahrzehntelanger, immer gleicher, monotoner Arbeit und normierten Lebensweisen, hin zu einer Vielfältigkeit von Lebensstilen und der Ausbildung von Patchwork-Identitäten.
Es geht also nicht um einen Prozess der bestimmte Randgruppen betrifft. Tatsächlich erleben wir die Verbreitung einer allgemeinen gesellschaftlichen Kultur der Unsicherheit. Im Zuge transnationaler Verlagerung und immer neuen Entlassungswellen sind selbst die fest angestellten Stammbelegschaften nicht mehr sicher. Waren prekäre Randbelegschaften zunächst erwünschter Flexibilisierungspuffer, schleicht sich bei den Kernbelegschaften ein diffuses Gefühl der Ersetzbarkeit ein, da sich die Externen in kurzer Zeit als mindestens ebenso leistungsfähig und extrem einsatzbereit, als flexibler, gefügiger und v.a. billiger erweisen. Ihre Präsenz wirkt disziplinierend. Der Druck ist allgegenwärtig. Doch solange keine französischen Verhältnisse herrschen und die Autos in Neukölln nicht brennen, scheint die Verdrängung möglich.
Doch auch unter den Prekarisierten bzw. gerade unter ihnen regt sich Widerstand. Immer wieder gelingt es vermeintlich apathischen Gruppen, wie illegalisieren migrantischen Landarbeitern oder Bauarbeitern, Reinigungskräften oder Teilzeitverkäuferinnen, auch transnationalen Konzernen beachtliche Konzessionen abzuringen. Die Organisationsformen der Prekären sind vielfältig: Die sog. living-wage[3] Kampagnen in den USA seit Beginn der 1990er Jahre haben unter dem Motto »Let Justice Roll«[4] eine Mobilisierung erreicht, die lokale Zusammenhänge wirksam überschreitet: mehr als 80 Arbeiter- und Community-Organisationen schlossen sich zusammen und konnten während der Wahlen zum Kongress 2006 Referenden für Mindestlöhne in sechs Bundesstaaten starten. In Italien haben mittlerweile alle drei großen Gewerkschaftsdachverbände eigene Gewerkschaften von und für Prekäre und nehmen Unternehmen von zwei Seiten in die Zange. In Deutschland finden sich »Anti-Hartz-Bündnisse«, Arbeitsloseninitiativen, Initiativen gegen Billiglohn oder zur Organisierung in den »Call-Center-Initiativen« oder bei Lidl. Dazu kommen grenzüberschreitende Netzwerke von Hausarbeiterinnen und Migranten wie respect, mujeres sin rostro[5], die berühmten Sans-Papiers, Künstlerinitiativen und autonome Forschungsgruppen von Frauen wie die Precarias a la deriva[6] etc.pp. etc.pp.
In Reaktion auf die Probleme wird von konservativer Seite eine alte Idee der neoliberalen Urväter aus den 1950er Jahren aufgewärmt und als besonders progressiv verkauft: ein staatlich garantiertes, gegenleistungsfreies Mindesteinkommen. Der thüringische Mindestpräsident Althaus plädiert für 800 EUR monatlich, der Ökonom Thomas Straubhaar für 600 EUR (jeweils abzüglich 200 EUR Gesundheitsprämie). Dafür könnten Renten- und Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe entfallen. Doch faktisch wäre dies nur eine weitere Absenkung des gegenwärtigen Leistungsniveaus. Der Druck zur Aufnahme eines Niedriglohnjobs wäre keineswegs gemindert. Vielmehr könnten dank des flächendeckenden Kombilohns die Löhne insgesamt gesenkt werden. Damit ist eine Entprekarisierung nicht zu erreichen.
Stattdessen wäre, um Spaltungen zwischen »working poor«[7] und abgehängter »Unterklasse« zu verhindern, die Forderung nach Mindestlöhnen und stabiler Beschäftigung mit der Forderung nach einem echten, bedingungslosen Grundeinkommen für alle zu verbinden. Letztlich ginge es um die Neuverteilung aller gesellschaftlich notwendigen Arbeit für alle und die transnationale Verallgemeinerung sozialer Rechte. Doch Forderungen reichen dafür nicht aus. Die (Selbst-) Organisierung eines vielfältigen, in sich gespaltenen Prekariats als Klassenfraktion im Werden wird zur vordringlichen gesellschaftlichen Aufgabe.
Anmerkungen der Redaktion
Ergänzung 25. Mai 2007: Am 23. Mai 2007 fand in Leipzig eine Vortragsveranstaltung mit dem Autor des Artikels, Mario Candeias, statt, von der es auf der Seite Leere Signifikanten einen interessanten Bericht gibt [GEHE ZU EXTERNEM BERICHT →]
[1] Flexploitation ist eine Wortneuschöpfung von Pierre Bourdieu aus “flexibility” (Flexibilität) und “exploitation” (Ausbeutung). Sie wurde während des Kongresses Rencontres Européennes contre la Précarité in Grenoble im Dezember 1997 geprägt und seitdem in zahlreichen Veröffentlichungen verwendet, insbesondere von Kritikern neoliberaler Wirtschaftspolitik. Das Wort beschreibt den zweckrationalen Gebrauch der Unsicherheit von Arbeitsplätzen. Durch Produktionsverlagerungen in Billiglohngebiete, die insbesondere von multinationalen Konzernen praktiziert werden, entstehe eine verschärfte Konkurrenz zwischen Arbeitnehmern, die zu einer verstärkten Ausbeutung führe. Der Arbeitnehmer sei wegen der permanenten Sorge um den eigenen Arbeitsplatz gewillt, den Abbau von Arbeitnehmerrechten hinzunehmen. Flexploitation sei somit ein Ergebnis der Prekarisierung. [â†]
[2] nine-to-five (= 9-17 Uhr): engl. i.S.v. geregelter Arbeitstag [â†]
[3] engl. für Existenzminimum [â†]
[4] engl. etwa “Bringt die Gerechtigkeit zum Laufen”, bekannt ist der Ausspruch von Martin Luther King: »Nein, wir werden nicht zufrieden sein, bis das Recht strömt wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein mächtiger Strom.« (Ich habe einen Traum, »until justice rolls down like waters and righteousness like a mighty stream«) [â†]
[5] Mujeres sin Rostro ist eine Gruppe von Frauen, die ohne Papiere in Deutschland leben und aus lateinamerikanischen Ländern kommen. Sie stellen Arpilleras her um ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen darzustellen und so ihren Protest gegen die Illegalität zum Ausdruck zu bringen. Arpilleras wurden bereits als Widerstandspraxis während der Pinochet-Diktatur in Chile, aber auch in anderen lateinamerikanischen Zwangsregimes von Frauen in Handarbeit hergestellt. In die eigene Gegenwart nach Europa überführt, zeigen die Arpilleras beispielsweise Abschiebungen, markieren gefährliche Orte in Berlin oder Situationen aus der Abschiebehaft. [â†]
[6] Precarias a la Deriva ist eine Initiative zwischen Forschung und Aktivismus, die aus dem feministischen Sozialzentrum La Eskalera Karakola in Madrid ursprünglich als Antwort auf den Generalstreik in Spanien im Juni 2002 hervorging. [â†]
[7] Working Poor (arbeitende Arme) bezeichnet Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit keinen “existenzsichernden Lebensunterhalt” verdienen. Man unterscheidet die Begriffe “arm” und “arm trotz Beschäftigung”. Als Working Poor gilt, wer in einem Vollzeitjob weniger als 67% des mittleren Bruttoeinkommens verdient. [â†]
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Prekariat?
Und ein Erzähler schlägt das große, dicke Buch mit den Geschichten aus aller Welt auf und liest:
“Da gab es mal vor noch gar nicht allzulanger Zeit einen Weltgewerkschaftsbund, den Weltbund der Demokratischen Jugend, eine Weltfriedensbewegung, die Nichtpaktgebundenen mit Tito und Nehru, den IDFF und ein mächtiges Gebilde von der Elbe bis Wladiwostok und und…Und weil diese wie in dem Märchen mit einem guten König nicht gestorben sind, nein weil sie gestorben sind, darum gibt es nun auch neben anderen schönen Erfindungen… das Prekariat. Dazu viele Interviews, Doktorarbeiten,Interpretationen, Worterklärungen und siehe da allein schon 7 Anmerkungen. Was hilft´s? Es breitet sich aus.”
Er blättert weiter und findet in dem Kapitel Deutschland etwas Taufrisches:”500.000 beteiligten sich auf den Straßen und Plätzen am 1.Mai! Aber wo blieben denn wenigstens die 3.500 000 anderen alle ohne Arbeit? Kennen die das Prekariat nicht?”
Dann fällt dem Erzähler ein Zettel aus dem dicken Buch. Handgeschriebenes. Aha! Soll erst gedruckt werden:” In dem neuen Bundesland Sachsen – Anhalt mit inzwischen nur noch 2,4 Millionen Einwohner wurde gewählt. In der 1.Runde eilten nur 36,5 % zu den Urnen. Und gestern in der 2.Runde nur noch 20,1 %. Dabei hat das Ländchen die höchste Arbeitslosigkeit…”
Gruß!
Klaus Horn
Das Grußwort von Cornelia und Peter an die Bremer steht im linken Aufmacher. Die Redaktion muß das Folgende irgendwo passend einordnen. Da es die neue Partei laut ihrer Eckpunkte noch niemals gab ab dem 16. Juni in Berlin, sie u.a. tolerant und plural sein wird, auch ihre Mitglieder, darf man doch im Sinne dieser Eigenschaften reagieren.
Bremen haben wir besucht. Dienstlich. Am besten bleibt in Erinnerung das Denkmal neben dem großen Steinelefanten im Stadtpark mit der Inschrift:” Dem Gedenken an die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia 1884 – 1914. S.E. Dr. Sam Nujama, Präsident der Republik Namibia. 21.Juni 1996 eingeweiht.” Mittlerweile ´mäkelt´man in Germany dank der neuen Geschichtsaufbereitung im TV auch an dieser Kolonialzeit ´herum´ wie überhaupt an allem.
Das war aber schon zu einer Zeit, wo Bremen damit begann, sich den größten Schuldenberg aufzuladen, der bis zu der Wahl immerhin 14 Milliarden beträgt bei nur 480.000 Wahlberechtigten von denen nur 58% zur Wahl gingen. (Der Deutschlandfunk gestern: Über diese Prozente redet heute keiner mehr…)
Nun steht im Grußwort, die Freude ist berechtigt, geschrieben von Erfahrungstransfer der linken Sachsen in Sachen Initiativen – Anträgen – Anfragen.
Käme jetzt ein Bremer Wanderer gegangen, so könnte er fragen:
Es gibt zwar nur 0,7 Millionen Bremer rund um die Stadtmusikanten gegenüber von 4,3 Millionen Sachsen, aber
1. Warum nur diese drei Transfers; ihr seid doch die Oppositionsstärksten und das seit 17 Jahren PDS?
2. Oder ins Praktische geflüchtet, ihr hattet im April wieder 343.000 ohne Arbeit, die sich seit Jahr und Tag um diesen Betrag bewegen, besser nicht bewegen?
3. Und dann habt ihr euch einen richtig-deutschlandweiten Donnerknall organisiert, die WOBA, von anderen Dingen einmal abgesehen.
4. Schließlich antwortete die Bundesregierung auf die Anfrage der LINKEN vor einem Jahr mit 399 Seiten zum Rechtsextremismus mit 78 zur letzten Maitagung des DBT und was kam raus? Neben MVP ist auch Sachsen ein Hort der Rechten. Wir reservierten der DVU nur einen Platz wegen besonderer Regelungen.
5. Und das Milbradt-Sachsen-Ranking sieht deutschlandweit auch gar nicht so schlecht aus mit dem Sparen, den Sachsentagen, der Frauenkirche nebst Emmerlich, dem hinübergewendeten Komödianten und der verkleidet-angeblichen Oma, dem Semperopernball. Natürlich bis auf diese Waldschlößchenbrücke, allzugut ward ihr da aber auch nicht, als ihr das vor den Bundestag brachtet. Jedoch der Sachse liebt nachwievor sein Tässchen Heßen auch unter den in die Weinberge und Wälder hereinströmenden Wettinern und muckt nicht auf gegen den einstigen “Adel im Untergang.”
Wenn das ein Bremer um Erlanson tatsächlich fragen würde, dann müßte man ein klein wenig bescheidener umgehen mit dem Grußwort. Aber diese Fragen kommen nicht. Und wenn, dann viele Jahre später von den Bremer Stadtmusikanten.
Vielleicht. Wie eingangs betont: Das war ein toleranter und pluraler Beitrag.
Gruß!
Klaus Horn
Eine Zeitung fragte: 23000 Wähler in Bremen/Bremerhaven sollen eine historische Wende im Westen sein?
Es sind an einem Wochenende 11 Autos mit 48 PDS-Genossen MeckPoms nach Bremen gefahren und haben wie viele andere Landesverbände Wahlkampfzettel in die Bremer Briefkästen geworfen. (wertfrei)
Die professionell-erfolgreiche Werbung weiß, je mehr Werbung in verschiedenen Briefkästen desto höher die Chance mal gekauft zu werden. Bei professionell geführten Parteien nicht anders. Politisch hat sich beim Bürger nichts geändert: er wählt entweder aus Überzeugung, aus Protest oder gar nicht, weil Überzeugung und Protest bereits im wahlpopulistischen Nirvana der Parteien vor und nach Wahlen zermahlen wurde.
Karsten Dörre
@Karsten Dörre,
… und warum wohl sollte sich beim Bürger politisch etwas ändern und was?
Der Bürger merkt mitunter noch bevor er stirbt, dass es letzlich egal ist ob und was er wählt. Und ist es da nicht allemal schlauer, gleich gar nicht hinzugehen?
Die Politik macht nicht die Politik, die Politik macht die Wirtschaft und die Wirtschaft macht die Politik.
Und wir müssen nicht die Politik ändern, sondern die Wirtschaft. Und die wiederum nicht hin oder wieder zurück zur Planwirtschaft sondern hin zu einer wirklich freien Humanwirtschaft. Dann ändern wir auch die Politik.
Naja, nur mal so.
mfG
F.W.
Hallo Klaus Horn,
zuallererst dachte ich beim hören des Begriffes “abgehangenes Präkariat” es handele sich um ein Stück Wild aus der Kühlkammer. Mal nachgeschlagen was prekär ist (bedenklich schlecht) und der Begriff passte nicht zur inhaltlichen Aussage des Satzes und Textes. So ist doch sie Politik die zu prekären Lebenssituationen führt prekär. Das diese Begrifflichkeit nun aus einem von der “Friedrich- Ebertstiftung” beauftragten Gutachten stammte? War ich bei der Stiftungsnahen Partei SPD wieder bei Prekariat angekommen. Prekäre Politik, ala Hartz und grüner Mahlzeit. Geschröpft, geköpft und kalt gestellt.
Viele die nicht zum ersten Mai oder zur Demo kommen, haben Hoffnungen aufgegeben. Eine Tageszeitung mit Demoaufruf? Gibt es da nicht mehr. Das können wir doch verstehen. Da heist es erstmal, überlebe selbst. Solidarität und Verständnis ggf. noch untereineander. Ausgegrenzte stehen nicht in der Mitte des Marktplatzes, sie ziehen sich oft zurück. Das kann ich von der emotionalen Lage her verstehen. Da dreht Mensch die vitalenergetischen Verausgabungen erstmal zurück, um sich zu schützen. So verliert nicht nur ein Baum Laub und ein kleiner Eisbär geht schlafen. Sicher ein natürlicher Schutz der auf dauer aber zu gesundheitlichen Schäden führt. Herz- Kreislaufprobleme, anfänglicher “Kummerspeck” als Depot, spätere Abmagerung und organische Stöhrungen sind da bei Dauerhaftigkeit programiert. Da heist es sicher erst, überlebe selbst, mit geringsten Leistungsaufwand.
Ein Baum benötigt Nährstoffe, damit er Früchte tragen kann. Behördenschikane und der Entzug von Vitalien schafft oft nicht mehr überwindbare Problemsituationen, die eine geglaubte Ausweglosigkeit postulieren.
http://www.elo-forum.net/aktionen/251-25042007-337.html
Menschen in solchen Situationen sind sicher, wenn überhaupt nur noch über den Briefkasten zu erreichen.
Hier erzeugt der Druck kein Gegendruck mehr. Hier beginnt dieser zu töten.
Th.P.
Hallo Frank Weise,
was glauben Sie, warum die Linkspartei (PDS) immer noch vom Verfassungsschutz beobachtet wird? Weil es immer noch Menschen gibt die glauben, genau das, was Sie meinen, könnte man mit der Linkspartei (PDS) erreichen. Ein anderes Wirtschaftssystem anstreben. Ob Frank Weises Ideen mit meinen übereinstimmen, spielt dabei vorrangig keine Rolle, denn über Nacht passiert so schnell in diese Richtung nichts.
Schon 2005 hatten einige WASG-Mitglieder bundesweit keine Zeit, was neues aufzubauen. Stattdessen eine alte Partei wieder in den Bundestag gehievt. 2007 ist man in der WASG schon so weich geklopft – nur mit dem Namen Linkspartei (PDS oder “Die Linke.”) könne man politisch oder parlamentarisch was ändern. Nun wird als Erfolg gepriesen, dass man über Mindestlohn spricht!!! Derweil wird der Billiglohn-Sektor weiter ausgebaut, die Arbeitslosenstatistik spricht von einer Wende, die Wirtschaft gar von einem Aufschwung (und das paar Monate nach MwSt-Erhöhung!!). Die Kommunen verlieren durch den Verkauf von kommunalen Wohnraumbestand ihre weitreichenden gesellschaftlichen Grundlagen für politisch-kommunale Entscheidungen. Auf welch niedrigem Erfolgsmeldungsniveau will der Bürger (Anhänger) noch weiter sinken? In 2 Jahren wird als Erfolg wahrscheinlich nur die profane Existenz einer angeblichen linken Partei uns dargeboten.
Wenn das Bundesverfassungsgericht über den Tornadoeinsatz in Afghanistan zu Gericht sitzt und eine Entscheidung fällt, sind die Bundeswehr-Tornados wieder zu Hause (Karthographieren und Fotographieren beendet) und die “Die Linke.” feiert einen Erfolg! Den Erfolg, dass man der NATO ihre Existenzgrundlage zumindest in Frage gestellt hat. Doch wem interessierts? Was wird sich ändern? War der Einsatz der Tornados in Afghanistan nun ein Kriegseinsatz? Sudan (Stimmenthaltungen im Bundestag)?
Ich schreibe hier in diesem Forum nicht, um die Linkspartei zu hofieren oder sie stets und immer bereit zu verteidigen. Das können die machen, die glauben, das die Partei immer recht hat und selbst die brachialen Niederlagen in MeckPom (2002, bis heute nicht erholt) und Berlin (2006) nur territoriale Randerscheinungen einer Partei seien.
Karsten Dörre
PS: heute ist Heiner Geissler Mitglied von Attac geworden
“Junge Linke braucht das Land”,sprach der Papa zum seinem Geschwisterpärchen. Und weil die ihn etwas ungläubig anschauten, tippte er für sie http://www.so-online.eu in den Computer und sagte:”Lest darin! Eine sehr interessante Zeitung. Aber am Anfang stand nicht Gott, sondern im August des vergangenen Jahres Didi Bartsch aus Berlin und der meinte `Sachsen ist weiter.`”
Und sie lasen:Oktober Programmatisch-strategischer Konvent in Dresden – November Bundesdesparteitag WASG/LPDS und Parteitag in Weinböhla – Januar Programmatisch-strategischer Konvent WASG/LPDS in Bayern – Februar Landesparteitag der WASG in Dresden – März Parteitag der WASG/LPDS in Dortmund – 31.Mai Delegiertenberatung – 15. und 16.Juni Parteitag in Berlin – 14. und 15.Juli Parteitag der sächsischen DIE LINKE… Und dazwischen diverse Schmäckerchen mit dem sagenhaften 5.Landesparteitag der WASG in Leipzig, dem Gang zum Amtsgericht in Dresden und Laber Rabarber-Ausruf von Cornelia…
“Papa”,rüttelten sie ihren linken Papa wach aus dem Studium diverser linker Dokumente, ein ganz hoher Stoß Papier auf seinem Schreibtisch,”Aber da gab es doch schon vor über hundert Jahren den Wilhelm Busch und der dichtete: `Eins, zwei, drei im Sauseschritt, eilt die Zeit, wir eilen mit.`Und unser Freund von nebenan erzählte uns, dass ihr Papa schon am 3.Mai eine Frage an die LPDS-Fraktion im Landtag gerichtet hatte, sie sollen ihm mal erklären, warum die CDU,SPD,FDP und die Grünen gegen ihren Volksantrag sind und gegen die Komplettierung der sächsischen Verfassung. Bis heute haben die nicht mal geantwortet.”
Darauf der Papa:”Das müßt ihr verstehen. Die sind überarbeitet. Aber das habt ihr doch gelesen.” Die Geschwister unter sich damit der Papa das nicht hören kann:”Und was wird das, wenn die 2009 in Regierungsverantwortung kommen?”
Ich schaltete mich ein mit “Gruß zum Morgen und seid nicht ungeduldig. Bis dahin kann man noch viel tagen und Papier beschreiben.”
Klaus Horn
Didi Bartsch? Ist das der, der als bundesweiter Wahlkampfleiter der PDS für die Bundestagswahl 2002 vorstand? Ist das der, der auf der Landesliste MeckPoms zur Bundestagswahl 2005 in MeckPom bei der PDS auf Nr.1 gewählt wurde obwohl im Land MeckPom weitestgehend politisch unbekannt (abgesehen davon, dass er irgendwo im Ludwigslustigen angeblich seine Heimat hat)? Ich war am 30.Juli 2005 bei seiner Wahl in Sternberg zugegen und wunderte mich der eigenwilligen Personalstrategie der PDS.
Sachsen kennt das sicherlich nicht anders, als auf deren Liste ein “in Sachsen agierender und weitbekannter Bremer Politiker”auf Platz 2 “delegiert” (vorgeschlagen und gewählt) wurde. Die abrupte Kehrtwende des WASG-Landesvorstandes Sachsen im Sommer 2005 innerhalb dreier Tage den Landesparteitagsbeschluss zu kippen (nicht auf der Landesliste der PDS Sachsen zu kandidieren) war eine lupenreine Demonstration von Vorstandsherrschaft gegen Beschlüsse der Partei.
Ich weiß ja nicht, was heute aus der WASG Sachsen geworden ist. Die Videos von den letzten Landesparteitagen dieses Landesverbandes lassen ahnen, dass sie kraft- und ziellos sich ihrem selbsterwähltem Schicksal ergeben hat.
Nennt mich Suppenaufwärmer oder was auch immer. So wie eine neue Bewegung/Partei zwischen 2005-2007 von oben zerstört wurde, so werden auch Hoffnungen der Bürger von oben zerstört. Auch wenn wir von den Grünen nichts halten (Lafontaine vorneweg) – die DURFTEN eine neue Bewegung/Partei Ende der 70er Jahre aufbauen.
Karsten Dörre
Karsten, es gibt noch Mann´sleut, die heut´ ab und zu von dem gelben Wagen steigen und zum Laptop greifen. Ansonsten gehört der heutige Tag wie alle anderen im Kalender Signalisierten zu den revolutionär -freien.
Ja, das ist der Didi von 2002. Nicht zu verwechseln mit dem Hallervordenschen Didi! Auch Sternberg ist mir gut bekannt. Herauskam stets: Kein Direktmandat für Didi und im übrigen 2005 nur für die drei Bekannten.
Das mit den 3 Tagen im Sommer 2005 ist einzuordnen dem vorherigen und besonderen Studium der Historie Ludwig quatorze oder XIV: “L´etat c´est moi” oder “Der Staat bin ich!”
Es ist zu erwarten, dass sich das im weiteren fortsetzen wird.
Ein Schelm, der nicht nur aber auch die Kommentatoren in ### beachtet.
Klaus Horn
Lieber Karsten Dörre,
um etwas Neues aufzubauen zu wollen, muß man erstmal wissen, was man Neues aufbauen will und nicht nur intuitiv ahnen, wogegen man ist, sondern wirklich wissen, wie man das “wogegen man ist”, ändern will, ändern könnte, um etwas Neues, etwas Menschenwürdiges erstehen zu lassen.
Und da gebe ich Ihnen recht, wahrscheinlich ist die Zahl derjenigen, die noch diesem verhängnisvollen marxistischem Mehrwertdenken nachhängen, so stark, dass es in der Linken.PDS zumindest in absehbarer Zeit nicht möglich sein wird, einen neuen und zumal kaufmännischen Gedanken so zu etablieren, dass er die Mitglieder dieser Partei wirklich mobilisiert.
Nun ja, damit habe ich mich weitestgehend abgefunden, wenngleich ich es trotzdem traurig finde, dass nur sehr wenige Menschen, (auch in dieser Runde), die ich den für mich eigentlich sympatischen Linken zuordne, sich bemühen mal tiefer in die Theorie des Geldes, des Zinses und des Zinseszinses einzutauchen, um die Ungerechtigkeiten zu erkennen, die zu all den Verwerfungen der menschlichen Gesellschaft führen, mit denen wir uns hier beschäftigen.
Aber, das wiederum, lieber Karsten ist ein weites Feld und wer von uns weiß schon wirklich, was der nächste Tag bringt!
mfG
F.W.
Michael schreibt in seinem Blog Leere Signifikanten über den Vortrag von Mario Candeias in der Leipziger moritzbastei.